Geplanter Radweg Niendorf-Wulfstorf: „Da ist der nächste schwere Unfall vorprogrammiert“

Radfahrer müssen über die Straße

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„Achtung: Radfahrer kreuzen“ – dieses Schild wird zukünftig an der Straße zwischen Niendorf und Wulfstorf stehen.

Bienenbüttel-Niendorf. Soviel steht fest: Die Zeit drängt. Bis zum 1. September muss die Gemeinde Bienenbüttel den Radweg zwischen Niendorf und Wulfstorf anmelden, damit er im nächsten Jahr gebaut werden kann.

Hinzu kommt, dass es die letzte Gelegenheit ist, die 70-prozentige Förderung des Landes Niedersachsen in Anspruch zu nehmen, wie jetzt Bauamtsleiterin Inga Heitmann betonte. Trotzdem wurde im Bauausschuss noch einmal der Verlauf des Betonbands in Frage gestellt. Die Entscheidung wurde einstimmig in den Verwaltungsausschuss vertagt, der heute – wie immer nichtöffentlich – tagt.

Anlass für die Diskussion sind die Zwänge, die sich durch den Verlauf im Naturschutzgebiet Vierenbachstal ergeben (AZ berichtete). Planer Martin Kilian erläuterte, dass bei einem Verlauf auf der rechten Seite ein Damm aufgeschüttet werden müsste. Der aber würde mehr Platz in Anspruch nehmen, als im FFH-Schutzgebiet (Flora-Fauna-Habitat) zulässig. Deshalb plant er den Weg zunächst auf der linken Seite und lässt ihn dann am Friedhof die Straße kreuzen.

Hier wurde Kritik laut. „In dem Bereich ist keine Geschwindigkeitsbegrenzung. Da fahren die Autos mit weit mehr als 120 Stundenkilometern“, warnte ein Bürger. „Da ist der nächste schwere Unfall vorprogrammiert.“ „Die einfachere Seite für Radfahrer ist rechts“, befand auch die Hohenbosteler Ortsvorsteherin Diana Wendt-Dittmer (KA). Dafür müsse eine Ausnahme möglich sein. Holger Janßen (ebenfalls KA) brachte ein Tempolimit auf der Kreisstraße 42 im Bereich der Querung am Friedhof ins Gespräch.

Planer Kilian sieht keinen Einfluss auf die Naturschutzauflagen. „Dann müssen wir uns damit anfreunden, den Radweg links zu bauen“, meinte Arnold Witthöft (SPD). Der Wechsel des Radwegs am Friedhof sei akzeptabel. „Die Strecke ist gut einsehbar.“

Insgesamt rechnet die Gemeinde Bienenbüttel mit Kosten von 495 000 Euro für den 1,2 Kilometer langen Radweg bis zum Kanal bei Wulfstorf, wo es den Anschluss nach Edendorf gibt. Der Eigenanteil der Gemeinde beträgt knapp 170 000 Euro. In den Baukosten enthalten ist auch eine Brücke über den Hartgenbeck. Ein Rohrdurchlass für das Bächlein ist, anders als bei der Straße, nicht zulässig. Die Bauzeit kalkuliert Kilian auf drei bis vier Monate.

Besonderes Kopfzerbrechen hatte dem Planer ein Bestand geschützter Moschus-Erdbeeren bereitet. Sie werden teils umfahren, teils verpflanzt, wie berichtet. Die Zusatzkosten für diese Naturschutzmaßnahme belaufen sich, anders als in einem Leserbrief behauptet, auf 3500 Euro, berichtete Bauamtsleiterin Heitmann. Planer Kilian wies darauf hin, dass dieser und ein weiterer Schwenk nötig seien, um Bäume zu schützen.

Von Gerhard Sternitzke

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