Hohnstorf: Protest aus 300 Kehlen gegen A 39

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Mit Treckern, Plakaten und einem Mahnfeuer protestierten die Menschen gestern Abend in Hohnstorf gegen den geplanten Bau der A 39.

Hohnstorf - Von Janina Fuge. Gluthell ist es an diesem Sonntagabend in der Hohnstorfer Feldmark. Schon von der Brücke über dem Elbe-Seitenkanal ist zu sehen, dass hier etwas Großes geschieht: Feuer brennen, Trecker blinken, Menschen kommen in Trauben zusammen und künden vom Protest in Hohnstorf, der gestern Abend mit einer großen Mahn- und Protestkundgebung einen vorläufigen Höhepunkt erreichte. Etwa 300 Bürgerbewegte trafen sich, um ihrem Unmut Luft zu machen: einerseits über die für diesen Ort geplante Rast- und Tankanlage, die dort entstehen soll, andererseits gegen die entsprechende Trasse der A 39.

Drei Stunden Programm hatten die Organisatoren der Bürgerinitiative vorbereitet. Sprecher der Hohnstorfer Bürgerinitiative kamen ebenso zu Wort wie ihre „Leidensgenossen aus Darrigsdorf und Wollersdorf“ aus dem Kreis Gifhorn, Betroffene schilderten Ängste, Monika Surdyk von der Bürgerinitiative verteilte 300 bedruckte Helium-Ballons, die „Schrotttrommler“ aus Lüneburg sorgten dafür, dass trotz eisiger Temperaturen die Stimmung tatkräftig blieb.

„Es ist irre und erschreckend, was hier geschehen soll“, formulierte Matthias Sost als Sprecher der Hohnstorfer Bürgerminitiative seine Gefühlslage. Sein Mitstreiter Heiner Scholing tat es ihm gleich, forderte die Anwesenden kraftvoll auf: „Das müssen wir verhindern!“ – und zeigte sich ob des bürgerschaftlichen Engagements gleichsam optimistisch: „Es ist wirklich unglaublich, was in dieser Zeit von diesem Dorf schon geleistet wurde.“

Hohnstorf: Protest gegen A 39

Der Protest ist bis ins Detail organisiert, von Parkplatzzuweisern über WC-Häuschen, heißen Getränken – und, so Scholing, einer „Pressearbeit vom Feinsten“, die sogar für die Anwesenheit zweier Übertragungswagen des NDR sorgte. Die Hohnstorfer machen ihr Ziel deutlich – und anschaulich. Dafür war gestern Abend auch Volker Lütgens zuständig, der einen Trecker Meter um Meter durch die verschneite Feldmark steuerte.

Drei Kilometer, 20 Minuten pro Runde – mit rund 35 anderen Landwirten aus der Umgebung fuhr Lütgens mit blinkendem, weithin sichtbarem Traktor die möglichen Ausmaße der geplanten Tankstelle ab – „riesengroß und womöglich sind durch die Flurbereinigung noch viel mehr Landwirte betroffen als jene, denen das Land gehört.“ Die meldeten sich auch zu Wort. Rolf Kreye zum Beispiel, dessen Familie nun zum vierten Mal von schwerwiegenden Landverlusten bedroht sei, oder Birgit Wulf, die auf das Problem hinwies, dass als Quadratmeterpreis ein knapper Euro für das Land gezahlt werde, neues Ackerland jedoch das Doppelte koste.

Mitten in den Protest wagte sich Bienenbüttels Bürgermeister Heinz-Günter Waltje. Er gab sich diplomatisch, wollte bewusst „Provokationen vermeiden“ und äußerte Verständnis ob der grassierenden Befürchtungen, immerhin: „Die drei Sprecher der Bürgerinitiative kenne ich sehr gut, ich vertraue ihnen hunertprozentig.“ Dennoch enthielt sich Waltje klarer Positionsbestimmungen und verwies auf Gremien wie Bauausschuss und Gemeinderat – rechtlich relevant werde es erst mit dem eigentlichen Planfeststellungsverfahren im Jahr 2013. Bis dahin wird wohl noch einiges geschehen.

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