Bienenbütteler Kulturradeln zwischen Kunsthandwerk und Hochkultur

Performance und Enten

In Edendorf statt in Düsseldorf: Performance im Reitstall.

Bienenbüttel/Landkreis. Das dritte Bienenbütteler Kulturradeln hatte ein wenig von der Kulturellen Landpartie.

Nicht ganz so groß, gewiss, aber genauso bunt und vielfältig und mit 24 Stationen doch so gut bestückt, dass man eine Auswahl treffen muss, zumal wenn man mit dem Rad unterwegs ist.

Wer seinen Spaß haben wollte, war in Sperzels Scheune gut aufgehoben: Cartoons ohne Ende und zur Erholung gab’s Kaffee und Kuchen im Garten der Familie. Fotos : Köhler-Götze

„Alte Bekannte“ trifft man im Rathaus: Bernd Uhdes großformatige Luftbilder oder Ulrich Niehoffs Fotos aus Bienenbüttel. Er zeigt, dass die Weltgeschichte eben nicht am kleinen Ort vorbeirauscht, wenn er den Anti-Atom-Treck fotografiert. Und das Foto mit dem Titel „Im Fokus“ aus dem Juni dieses Jahres, das lauter Übertragungswagen zeigt, beweist, dass Bienenbüttel zuweilen sogar im Mittelpunkt des Interesses steht, wenn nämlich ein Landwirtschaftsminister die Quelle der EHEC-Epidemie hier verortet, ohne dies freilich beweisen zu können. Auch mit dabei der Cartoonist Wolfgang Sperzel aus Hohnstorf mit seiner Fotomontage „Truck-Attack“, mit der er am 1. April die AZ-Leser aufs Glatteis führte.

Mehr Cartoons von Sperzel fanden sich in Hohnstorf, fast ausschließlich solche, die des Deutschen liebstes Kind, sein „heiligs Blechle“, zum Thema haben. Hoher Spaßfaktor, auch weil Sperzel gerne auf Wunsch seine Bücher nicht nur signiert, sondern gleich noch einen kleinen Cartoon dazu zeichnet. Persönlicher geht’s nimmer. Gudrun Sperzel-Völk liest am Nachmittag aus ihren „Geschichten aus Bienenbüttel“, am Nachmittag gibt’s „Völksmusik“ in der Musikantenscheune und wer dann der Sperzelei immer noch nicht überdrüssig war, der konnte sich am Sonntag von den „BlueJazzBoys“ aufspielen lassen, am Bass dabei – Wolfgang Sperzel. Nebenan hat Katja Schaefer-Andrae Unterschlupf gefunden. Sie wollte ihre „Fische in Acryl“ und die sehenswerten Bilder von Kindern aus dem Jastorfer Atelier eigentlich im Bienenbütteler Bahnhof ausstellen, der nicht rechtzeitig fertig geworden war.

Ein wahres Schmuckstück in Hohenbostel dann der Garten von Elke Redeleit, der durch allerlei Skulpturen zu einem Gesamtkunstwerk wird. Drinnen stellt Redeleit eigenen Schmuck aus und in der Scheune findet sich Malerei, unter anderem von Michael Heinrich, vordergründig Familienbilder oder Stillleben, vor denen man beim Herantreten zurückschreckt, denn aus dem fast schwarzen Hintergrund tritt eine Schlange hervor.

In Edendorf ist Gastkünstler Clemens Botho Goldbach unter Mithilfe fast des gesamten Dorfes weit vorangekommen mit seiner Arbeit „Der Weg der Steine“, die in wenigen Tagen eingeweiht wird. Und auch seine Frau Su jeong Shin-Goldbach steuert mit ihrer Performance „Ein Lied“ in der Reithalle ihren Beitrag zum Kulturradeln bei.

Nicht schlecht beraten war, wer den Tag auf dem Pfefferhof in Wichmannsburg bei den Sillers ausklingen ließ, wo es tatsächlich in allen Ecken etwas zu sehen gab, Enten vor den Besuchern Reißaus nahmen und man die Qual der Wahl zwischen Sillers handgefertigten, humorigen und hintergründigen Buchstützen hatte.

Von Jürgen Köhler-Götze

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