Perfekte Häppchen

Salut Salon auf Gut Bardenhagen,

Bardenhagen - Von Jürgen Köhler-Götze. Wolfgangs Selbstwertgefühl wird nach dem Konzert des Quartetts Salut Salon auf Gut Bardenhagen um einiges gestiegen sein. Wolfgang saß im ausverkauften Saal und verriet den vier Damen seinen Namen. Natürlich weiß auch Wolfgang, dass die vier musikalischen Mädels diese Nummer jeden Abend abziehen, wenn sie auf Tournee sind, aber er wird sich schon geschmeichelt gefühlt haben, wie er von der Bühne herab besungen und angeflirtet wurde als „Mann mit den drei blauen Augen“, ein Chanson von Georg Kreisler, das Salut Salon kurzerhand auf Männer umgebogen hat.

Salut Salon, das ist musikalische Perfektion, Kammermusik auf der Varieté-Bühne, Clownerie und Spaziergänge durch alle möglichen Musikrichtungen. Das beginnt mit einem Tango von Astor Piazzolla, ganz ohne Bandoneon, das die Geigen perfekt ersetzen. Es geht weiter auf eine musikalische Welttournee, die bei der Ilmenau beginnt, weiter über die Moldau führt, hin zu schönen blauen Donau, irgendwie liegt die ungarische Puszta noch mit auf dem Weg, der türkische Marsch von Mozart deutet an, wie die Reiseroute weiter verläuft, bevor das Ziel China in Sicht kommt. Da stehen dann die vier Damen auf der Bühne und singen aus vollem Halse und mit großer Begeisterung einen dreißig Jahre alten chinesischen Popsong, mit dem sie ihr Publikum in China erobert haben – und das in Bardenhagen ebenfalls.

Zwei Geigen, ein Cello, ein Klavier, das ist die Standardbesetzung, aber das reicht Salut Salon nicht. Ein bisschen Unfug muss einfach sein: Das Klavier mutiert zu einer ungarischen Zymbal, kleine Glöckchen begleiten den chinesischen Popsong, die Pianistin hat ihre Füße nicht nur für die Pedale, sondern darf auch einmal herzhaft ein Becken treten, das direkt neben den Pedalen gut versteckt ist.

Ein Akkordeon wissen die Damen ebenso zu bedienen wie die singende Säge, mit der das russische Volkslied „Schwarze Augen“ schmachtend begleitet wird. Und singen können sie auch noch, wie sie nicht nur mit dem selbst geschriebenen Lied „C’est une chanson“, in vier Sprachen vorgetragen, beweisen.

Ausnahmsweise hatten die vier Frauen männliche Unterstützung auf der Bühne: Puppe Oscar griff einhändig bei Liszts „Liebestraum“ mit in die Tasten und verteidigte mit Nachdruck seine rechte Seite der Tastatur gegen die Pianistin.

Häppchenkultur, mäkeln Kritiker. Mag sein, aber perfekt dargeboten und mit einem überaus ansteckenden Humor. Die vier Frauen sind nicht nur für das Publikum eine Wundertüte, sie überraschen einander auch immer wieder selber auf der Bühne mit kleinen Eskapaden, die nicht planbar sind und das Gelächter auf der Bühne pflanzt sich ins Publikum fort.

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