Der Bienenbütteler Manu Göttgen hört als Stadionsprecher bei Eintracht Lüneburg auf / Abschiedsspiel mit Altspielern

Die lockeren Sprüche nimmt keiner krumm

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Zehn Jahre lang war Manuel Göttgen aus Bienenbüttel Stadionsprecher bei der SV Eintracht Lüneburg. Dabei behandelte er immer auch die gegnerischen Mannschaften fair.

Bienenbüttel. Zum Abschied auf der Hasenburg gab’s jetzt eine Dusche Bier und ein Trikot mit der Nummer zwölf: Nach zehn Jahren als Stadionsprecher bei der SV Eintracht Lüneburg hört Manuel Göttgen auf.

Der 36-jährige Bienenbütteler, als DJ bekannt, hat sich mit seiner Mischung aus lockeren Sprüchen, Spielinformationen und der richtigen Musik einen Ruf geschaffen. Jetzt will er mehr Zeit für sich, seine Freunde und seine Frau haben.

Trainer Maik Peyko kennt „Manu“ noch aus eigenen Spieler-Tagen. Sein Markenzeichen, wenn die Mannschaft einläuft: ein langgezogenes „H-i-e-r k-o-m-m-t d-i-e Eintracht Lüneburg!“ „Das war Gänsehaut! Da waren wir angepusht“, erinnert sich Peyko. Und erzählt, wie Göttgen mit lockerem Mundwerk einzelne Spieler aufs Korn nahm. Er selbst war für den Mann im Sprecherturm schnell die „Pferdelunge“. Manu sprach vom Turm ohne Umschweife so, wie er mit den Leuten auf dem Platz quatschte.

„Das nimmt ihm aber keiner übel“, meint der Trainer. Göttgens Frotzeleien seien immer mit einem Augenzwinkern gemeint. „Und es ist auch schön, wenn man verliert, dass er einen immer wieder aufbaut“, fügt Peyko hinzu. Das war in dieser Saison nicht ganz so oft nötig, die Eintracht – Motto: „Blau gewinnt!“ – schaffte mit dem achten Platz den Klassenerhalt.

Auf dem Fußballplatz des Landesligisten wird man Göttgen wohl weiter sehen. Er liebt die familiäre Atmosphäre seines Vereins. Den Fußball hat er fast mit der Muttermilch aufgesogen. Die Großmutter des gebürtigen Lüneburgers wohnte direkt am Hasenburger Stadion. Der Rasen war sein Spielplatz. Vater Wolfgang war in den achtziger Jahren Stadionsprecher beim Lüneburger Traditionsclub LSK. Nach eigenen Versuchen bis zur B-Jugend des LSK, die Manu nach eigenen Angaben wegen „Talentlosigkeit“ abbrach, nahm Trainer Jens Lorbach den Fußballfan mit bei seinem Wechsel zur Eintracht.

In den zwölf Jahren als ehrenamtlicher Stadionsprecher war Göttgen immer daran gelegen, fair mit den gegnerischen Mannschaften umzugehen. Das war auch nötig, denn die Gästebank steht gleich neben seinem Turm. „Ich finde diese Lüneburger Fußballfamilie toll“, erzählt Göttgen. „Die Vereinsdichte und die Konkurrenz ist groß, aber nach den Spielen trinkt man im Vereinsheim zusammen ein Bier.“

Einen Nachfolger für Göttgen gibt es noch nicht. Einmal wird er noch auf dem Turm in der Hasenburg stehen: Am Sonnabend, 18. Juni, 15 Uhr treten heutige und frühere Spieler der Eintracht zum Abschiedsspiel für ihn an. Auch Alt-Trainer Jens Lorbach und Carsten Lorenzen sind dabei. Manu lässt es sich nicht nehmen, die Sportler vorzustellen. Auf den einen oder anderen lockeren Spruch müssen sie sich dabei einstellen.

Von Gerhard Sternitzke

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