Das Hotel Drei Linden in Bienenbüttel wird abgerissen / Wolfgang Koschel kennt seine Geschichte

Letztes Kapitel eines großen Hauses

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Das ehenmalige Hotel wird jetzt abgerissen. 

Bienenbüttel. Dieses Haus hat bessere Zeiten gesehen. Im Vorgarten wächst Unkraut. Der früher beleuchtete Wegweiser zu den Parkplätzen im Hof ist verblasst. Wo früher die Gäste ihre großen Opel- und Mercedes-Limousinen abstellten, liegt Müll.

Das ehemalige Hotel Drei Linden in Bienenbüttel wird jetzt abgerissen, teilt die Gemeinde mit. Ein Investor plant dort einen Neubau mit 18 Eigentumswohnungen. Die Zeit der großen Landgasthöfe ist vorbei. Der Bienenbütteler Wolfgang Koschel, Mitglied im örtlichen Arbeitskreis Geschichte, kennt die Geschichte des einstigen Hotels Drei Linden, eine von früher sieben Gaststätten in Bienenbüttel.

Schmuckstück: Der Zimmerbrunnen im „Blauen Salon“.

„Mallorca und Florida war noch nicht angesagt“, erinnert sich Koschel. „Man fuhr in die Sommerfrische.“ Bereits in den dreißiger Jahren hatte Rudolf Beermann senior in einem älteren Haus an der Lindenstraße 6 einen Pensionsbetrieb eröffnet. Die Gäste kamen aus Hamburg und Hannover, genossen Ruhe und Natur in und um Bienenbüttel. Dabei profitierte das „Fremdenheim Drei Linden“ auch von dem Bahnanschluss.

In den fünfziger und sechziger Jahren entstanden großzügige Anbauten. Aus der Pension wurde das Hotel und Restaurant Drei Linden, das Rudolf Beermann junior und seine Frau Inge führten. Alte Postkarten zeigen Gasträume im Stil der Zeit. Im Saal hing die neueste Errungenschaft, ein Fernseher. Schmuckstück des „Blauen Salons“ war der scheckig gekachelte Zimmerbrunnen.

„Es war ein Haus der ersten Kategorie, weit über die Grenzen des Landkreises hinaus bekannt, allein schon wegen der hervorragenden Küche“, weiß Koschel. Das repräsentative Haus in unmittelbarer Nähe der Bundesstraße 4, die damals noch durch den Ort verlief, war bei Vertretern beliebt. Große Tagungen fanden hier statt. Mit Hallenschwimmbad, Sauna, Solarium, vollautomatischer Kegelbahn und Terrassengarten über der Ilmenau bot das Hotel allen Komfort.

Hier nächtigten Vertreter gern: Das Hotel Drei Linden in Bienenbüttel auf einer Postkarte aus den sechziger Jahren.

Die älteren Bienenbütteler verbinden viele Erinnerungen mit dem Drei Linden, in dem die Kellner Alois und Helge über Jahrzehnte Dienst taten. Hier fand der Montagsstammtisch der örtlichen Honoratioren statt. Berüchtigt war bei den Bienenbüttelern die Schweinebucht in unmittelbarer Nähe des Tresens. „Wenn man drin saß, kam man nicht mehr weg“, erinnert sich Koschel. „Da wurde immer nachgeschenkt.“

In den neunziger Jahren schloss das Hotel, war teilweise vermietet – und wechselte mehrfach den Eigentümer. Ein Investor plante auf dem Gelände ein Altenheim, verwarf die Pläne aber wieder. Nun folgt das letzte Kapitel: Der Abriss soll bis zum 17. Oktober abgeschlossen sein.

Von Gerhard Sternitzke

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