Neuer Hinweis nach 27 Jahren: Polizisten durchkämmen Wald bei Lüneburg

Leichensuche im "Streitmoor": Wo ist Birgit M.?

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Polizisten durchkämmen ein Waldstück bei Lüneburg. Die Leiche der 1989 verschwundenen Birgit M. finden sie nicht. Ihr mutmaßlicher Mörder wohnte ganz in der Nähe.

Lüneburg-Adendorf. Am Ende bleibt Birgit M. verschwunden. Bereits seit Sommer 1989 fehlt jede Spur der damals 41-Jährigen. Am Montag durchkämmen 80 Bereitschaftspolizisten, darunter drei Hundeführer, ein Waldstück bei Adendorf in der Nähe von Lüneburg.

Eine Leiche finden sie nicht. Nur ein paar Flaschen, Tüten und ein Fetzen von einem alten Schuh sind die magere Ausbeute, berichtet gestern Wiebke Hennig, Sprecherin der Polizeidirektion Lüneburg. Sie sollen nun kriminaltechnisch untersucht werden.

„Wir haben alles getan, was getan werden konnte“.

Schon vor mehr als einem Vierteljahrhundert gerät Kurt-Werner W. – bereits wegen Sexual- und Gewaltverbrechen vorbestraft – als Hauptverdächtiger ins Visier der Ermittler. Der damals 40-Jährige, der auch mit den rätselhaften Morden in der Göhrde in demselben Jahr in Verbindung gebracht wurde (AZ berichtete), soll die Verschwundene kennengelernt haben, als er auf dem Nachbargrundstück in Brietlingen-Moorburg südlich von Adendorf arbeitete.

Er erhängte sich 1993 im Gefängnis, wo er wegen unerlaubten Waffenbesitzes in Untersuchungshaft saß. Damit war der Fall für die Ermittler zunächst beendet. Seit September vorigen Jahr wurde er von der dreiköpfigen Ermittlungskommission „Iterum“ (erneut) neu aufgerollt.

„Die Strafprozessordnung sagt, gegen Tote kann nicht ermittelt werden“, erklärt Wiebke Hennig. „Neuere höchstrichterliche Entscheidungen besagen aber: Auch Angehörige haben ein Recht zu erfahren, was passiert ist.“

Und dabei habe sich der Verdacht gegen W. erhärtet. „Er hat als Friedhofsgärtner gearbeitet. Da bestand der Verdacht, dass er tiefer gegraben haben könnte und der Sarg wäre auf die verborgene Leiche gesetzt worden“, so die Sprecherin der Polizeidirektion. Die Polizei ließ deshalb acht Gräber auf zwei Friedhöfen im Landkreis Lüneburg öffnen, auf denen Kurt-Werner W. zu dieser Zeit gearbeitet hatte. Die gefundenen Knochenreste harren nun einer komplizierten gentechnischen Auswertung.

Auf das kleine Waldstück namens „Streitmoor“ hatte die Polizei jetzt große Hoffnungen gesetzt. „Ein Hinweisgeber hatte sich gemeldet, der W. als Jugendlicher dort gesehen hatte“, berichtet Wiebke Hennig. Der Verdächtige hatte ganz in der Nähe am Lüneburger Stadtrand gewohnt. Zudem setzten die Polizisten darauf, dass sich die Leiche in dem Moorboden konserviert haben könnte.

Im Labor wird nun versucht, festzustellen, ob der gefundene Lederfetzen aus Adendorf zu einem Frauenschuh gehörte und aus welcher Zeit er stammte. Die Ermittlungsgruppe „Iterum“ wurde inzwischen aufgelöst.

„Wir haben alles getan, was getan werden konnte“, bedauert die Sprecherin der Polizeidirektion. „Es fehlt immer noch ein ganz wichtiges Puzzleteil: die Leiche.“

Von Gerhard Sternitzke

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