Generalsekretär der Landes-CDU Ulf Thiele besichtigt Wurstfabrik Graefke in Bienenbüttel

Der Weg der Leberwurst

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CDU-Generalsekretär Ulf Thiele (rechts) zieht eine deftige Leberwurst dem veganen Produkt aus Algen vor.

Bienenbüttel. Der Weg der Leberwurst ist nichts für zartbesaitete Gemüter. Die braune Wurstmasse, „Brät“ genannt, spritzt beim Einfüllen in die Maschine. In wenigen Sekunden bläht sich der aufgezogene Darm zu einer Endloswurst, die von Arbeiterinnen nebenan mit Stanzen in einzelne Ringe aufgeteilt wird.

Geschäftsführer Peter Harms über das Räuchern: „Bei uns ist das noch Gefühl und Handarbeit.“

Ulf Thiele stammt aus dem ländlichen Ostfriesland. Der Generalsekretär der Niedersachsen-CDU – in weißem Hygiene-Overall und Haarnetz – sieht eher das leckere Ergebnis und langt am Ende eines Besuchs in der Bienenbütteler Wurstfabrik Graefke gerne zu. Nur die Algenwurst verschmäht er, mit der das Unternehmen auf den Trend zu veganen Nahrungsmitteln reagiert. Der Buchenholzrauch, der die Betriebsstätten an der Bahnhofstraße umweht, ist das Markenzeichen des Betriebes, der im Jahr vier Millionen Euro Umsatz macht. Etwa eine halbe Stunde hängen die Leberwurst-Ringe in der Räucherkammer. „Man muss ein bisschen Fingerspitzengefühl haben. Wenn die Würste zu lange im Rauch hängen, beginnen sie zu schwitzen. Das heißt, Fett tritt aus“, erklärt Geschäftsführer Peter Harms. „Bei uns ist das noch Gefühl und Handarbeit“, fügt er hinzu. „Bei den Großen wird nur noch ein Knopf gedrückt.“

Vor vier Jahren hat das Familienunternehmen sein 100-jähriges Bestehen gefeiert. Ebenso alt ist das Rezept für die Leberwurst, die aus Leber, Schweinskopfschwarte, Zwiebeln und Gewürzen entsteht.

Ständig wachsende Auflagen machen den Betrieben jedoch das Leben schwer, beklagt Seniorchef Heinrich Graefke. Schwiegersohn und Geschäftsführer Harms zeigt, welche Hygieneanforderungen von den Mitarbeiterumkleiden bis zur Handdesinfektion erfüllt werden müssen. Für fünf Meter bis zu den Stiefeln müssen die 30 Mitarbeiter Gummilatschen tragen.

Erst vor drei Jahren hat das Unternehmen, das seine Produkte bis nach Hongkong exportiert, in eine Erweiterung investiert. Der Preiskampf ist hart, wie Seniorchef Graefke betont. „Wir verkaufen nur noch Konditionen und Rabatte.“ Die Bedingungen legten die großen Handelskonzerne fest. In diesem Zusammenhang kritisiert Ulf Thiele die Fusion von Edeka und Tengelmann: „Das verstärkt den Prozess der Konzentration im Handel.“

Von Gerhard Sternitzke

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