Die Milchbauern Karl und Martin Meyer laden zum Tag des offenen Hofes in Bargdorf ein

Landwirtschaft, wie sie wirklich ist

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Alltag auf dem Milchbauernhof in Bargdorf: Martin und Karl Meyer treiben die Kühe auf die Weide.

Bargdorf. Hier riecht es noch wie früher auf dem Dorf: 90 Milchkühe stehen im Stall von Karl Meyer in Bargdorf. Schwalben fliegen aus und ein. Als Sohn Martin die Absperrung öffnet, heben sich wie auf ein Zeichen die Köpfe.

Ein vielstimmiges Muhen erklingt, aber die Damen lassen sich bitten. „Kommt, kommt!“, ruft der 25-Jährige.

Die ersten der schwarzbunten Tiere trotten zum Tor, es kommt Bewegung in den Stall: Es geht raus auf die Weide. Sara trottet als eine der letzten hinterher. Die Bummelantin hat wie alle Kühe auf dem Hof einen Namen. Am Sonntag können Neugierige einen Blick in den Stall werfen. Die Meyers sind einer von 72 Bauernhöfen, die zum Tag des offenen Hofes einladen.

Die Bauernfamilie will Landwirtschaft zeigen – „so, wie sie wirklich ist“, drückt es Karl Meyer aus. Und die entspricht aus seiner Sicht nicht den Skandalmeldungen der Medien, allerdings auch nicht der heilen Welt, von der mancher Städter träumt. Die Milchpreise sind im Keller. Aldi und Co. verhandeln knallhart mit den Molkereien.

„Jetzt bekomme ich 24 Cent pro Liter, wir bräuchten aber 35 Cent“, erzählt der 57-Jährige. Das geht auf die Substanz des Familienbetriebs. „Man spart an anderen Stellen – privat“, erklärt Meyer resigniert. Wirklich rentabel waren zuletzt lediglich die Speisekartoffeln und die Biogasanlage, die der Landwirt am Ortsrand gebaut hat. „Die Scheiße ist mehr wert als die Milch“, kommentierte sein Tierarzt die Lage.

Als Unternehmer ist Meyer auch angesichts stetig steigender Pachtpreise für Ackerland gezwungen, neue Einkommensquellen zu erschließen. So baut er seit 2009 Rollrasen an. Das aufgerollte Fertiggrün ist der Renner bei den Gartenbaubetrieben und wird vor Geschäftshäusern wie Eigenheimen verlegt.

Auch ideologische Vorbehalte zwischen konventioneller und biologischer Landwirtschaft gibt es kaum. Meyer wollte seine Milcherzeugung auf biologische Wirtschaftsweise umstellen, um mehr zu erwirtschaften – doch die Molkerei sprang wieder ab. Also bleibt Meyer konventionell.

Auch bei niedrigen Preisen wird er investieren. Der Stall wird erweitert, damit die Kühe mehr Platz haben. Die Melkmaschine, die die Meyers zweimal am Tag bei 90 Kühen ansetzen müssen, wird einem Melkroboter weichen.

Die Familientradition hilft, auch Durststrecken zu überwinden: Martin Meyer (25) will den Betrieb von Vater Karl (57) übernehmen.

Ein starker Halt für die Bauernfamilie ist die Tradition. Der Bargdorfer Hof Meyer ist seit mindestens 350 Jahren in Familienbesitz. „Die Tradition ist etwas für mich, auf das ich mich in schwierigen Zeiten berufen kann“, erklärt Meyer. Hinzu kommt der Zusammenhalt in der Familie. „Wenn wir nicht zusammenarbeiten, würde alles zusammenbrechen“, sagt er. Ehefrau Doris (56) ist nebenbei Landfrauenvorsitzende. Sohn Martin (25) will den 111-Hektar-Betrieb übernehmen – trotz Sieben-Tage-Woche und unsicherer Zukunftsaussichten. „Das wurde über Generationen aufgebaut. Das mag ich nicht fallen lassen“, sagt der Hoferbe. Schon seine Vorfahren mussten sich an neue Trends anpassen. Bereits in den dreißiger Jahren kam der erste Traktor auf den Hof. Großvater Karl Meyer schaffte 1953 die Pferde ab und setzte ganz auf Maschinenkraft – eine Entscheidung, die damals im Dorf allgemein für Kopfschütteln sorgte. „Er gibt die Pferde weg, jetzt geht er pleite“, hieß es damals. Karl Meyer behielt recht.

Von Gerhard Sternitzke

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