Tradition seit 1693: Emotionaler Abschied zu Beginn des Bienenbütteler Schützenfests

König Ralf kämpft mit den Tränen

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Gänsehaut-Atmosphäre beim Zapfenstreich für den scheidenden Schützenkönig Ralf „der Rockige“ Nyenhuis. Am Mittwochabend begann das Bienenbütteler Schützenfest auf dem Marktplatz vor dem Rathaus.

Bienenbüttel. Alles hat ein Ende, die Herrschaft des Schützenkönigs währt nur ein einziges Jahr. Ralf Nyenhuis, genannt „der Rockige“, fällt der Abschied gestern besonders schwer.

„Ein geiles Jahr“: Alt-König Ralf „der Rockige“ Nyenhuis.

Beim Königsfrühstück in der Bienenbütteler Ilmenauhalle kämpft er mit den Tränen, als er sich bei seinen Schützenbrüdern und -schwestern für „ein geiles Jahr“ bedankt. Schon als zehnjähriger Trommler im Spielmannszug hat er sich gewünscht, einmal König zu werden. Vor einem Jahr – da war er bereits zum dritten Mal König des Schwarzen Corps’ – wurde sein Traum wahr. „Und dann noch auf der eigenen Party singen“, erinnert sich der Sänger der Band Heart Rock Café. Aber richtig emotional wird der scheidende König, als er vom Zapfenstreich am Mittwochabend berichtet. Da erfüllte ihm der Spielmannszug mit John Miles einen Wunsch. „Das“, sagt Nyenhuis, „war der geilste Moment meines Königsjahrs.“

Tradition mindestens seit 1693: Erster Gildeherr Uwe Seehafer.

Erster Gildeherr Uwe Seehafer, seit dem Frühjahr im Amt, weist darauf an, dass die Vereinten Nationen das Schützenwesen im vorigen Jahr zum immateriellen Weltkulturerbe erklärt haben. Jedes einzelne Schützenfest gehöre zu diesem Erbe. Die Bienenbütteler Schützengilde, 1927 gegründet, beruft sich auf eine jahrhundertealte Tradition. Spätestens mit einer Nachricht aus dem Jahr 1693, als sich ein Pfarrer über die „gottlosen“ Schützen beschwerte, ist belegt, dass man auch damals schon zu feiern verstand. „Lasst uns eine alte Tradition feiern! Lasst uns Schützenfest feiern!“, fordert Seehafer die Gäste auf. Das tun sie auch. Und für Stimmung sorgen die Klänge der Heidejäger.

In diesem Zusammenhang erinnert der erste Gildeherr an die vielen Helfer. Dazu gehören diejenigen, die etwa die Ilmenauhalle geschmückt haben, wie die Feuerwehrleute, die bei den Umzügen den Verkehr regeln, oder der Chef, der einem Schützenbruder zum Königsfrühstück freigegeben hat. „Nichts von dem, was Sie hier sehen, passiert von allein“, betont Seehafer. „Das Schützenfest würde nicht stattfinden. Wir sind keine Einzelkämpfer, sondern ein Team.“

Seehafer spricht aber auch von den Ängsten der Schützen. „Wird die Ilmenauhalle abgerissen oder renoviert? Wo werden wir die Schützenfeste während des Umbaus feiern?“, fragt er mit Blick auf den geplanten Neubau der in die Jahre gekommenen Halle. „Wir hoffen auf die Antworten aus der Politik.“

Von Gerhard Sternitzke

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