Verbindung zwischen Niendorf und Wulfstorf wird nicht gebaut

Keine Chance für Radweg

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Am Ende scheitert der Radweg Niendorf-Wulfstorf nicht an der geschützten Moschus-Erdbeere, sondern am Widerstand der Grundeigentümer. Die pochen darauf, dass die Verbindung durch die – ebenfalls geschützte – Niederung verlaufen sollte. 

Bienenbüttel/Niendorf. Diese Nachricht schlägt ein wie eine Bombe: Der Radweg von Niendorf nach Wulfstorf, für den die Dorfbewohner sich seit Jahren eingesetzt haben und dessen Planung aus Naturschutzgründen extrem schwierig war (AZ berichtete), wird nicht gebaut.

Das teilt der Bienenbütteler Bürgermeister Dr. Merlin Franke mit.

„Dieses Ergebnis bedaure ich sehr“, so Franke. Mittelfristig sei das Projekt auch nicht mehr zu verwirklichen, weil die eingeplanten Zuschussmittel ausliefen. Das Radwegeprogramm des Landes Niedersachsen endet 2017. Die Baureife für das Vorhaben hätte spätestens zum 1. September gegenüber dem Landkreis erklärt werden müssen.

Bei den Gründen hält sich der Bürgermeister bedeckt, äußert Verständnis für die Positionen von Naturschutz, Fachplaner und Eigentümern. Alle Seiten hätten Kompromissbereitschaft signalisiert – letztlich hätten die Vorstellungen aber zu weit auseinander gelegen.

Hinter Niendorf verläuft die Straße durch das Naturschutzgebiet Vierenbachtal. Eine Radwegtrasse auf der rechten Seite schied aus, weil der zulässige Flächenverbrauch in der Niederung des Hartgenbeck überschritten worden wäre. Dann tauchte auf der linken Seite ein Bestand geschützter Moschus-Erdbeeren auf. Der Planer entschied, einen Teil des Bestands zu verpflanzen und alte Eichen zu umfahren. Nun trotzdem das plötzliche Aus.

Der Landkreis Uelzen als Untere Naturschutzbehörde weist die Verantwortung für das Scheitern von sich. „Der Bau eines Radweges zwischen Niendorf und Wulfstorf ist ausdrücklich nicht an naturschutzrechtlichen Belangen gescheitert“, betont Kreis-Sprecher Martin Theine auf AZ-Nachfrage. Das Wörtchen „nicht“ hat er unterstrichen. Hindernisse wie bedrohte Pflanzenarten hätten ausgeräumt werden können.

Der Niendorfer Landwirt Cord Wilhelm Müller erklärt, warum er sein Land nicht hergibt: „Es geht mir nicht um das Land, es geht mir um den Streckenverlauf.“ Denn wegen der Naturschutzauflagen sei der Weg bis zum Friedhof auf der linken Seite geplant worden, so dass Radfahrer auf freier Strecke die Straße hätten kreuzen müssen. Ursprünglich war geplant, den Radweg bereits in Niendorf kreuzen zu lassen. „Meine Überzeugung ist, dass der Radweg da hingehört“, sagt Müller.

So sieht das auch Hans-Jürgen Franke. „Die bisher geplante nördliche Trassenführung mit anschließender Querung der Kreisstraße auf freier Strecke ist verkehrstechnisch eine sehr schlechte Lösung“, schreibt der Fraktionschef der KA in einen Antrag zum letzten Gemeinderat, der am 20. Oktober tagt. Er fordert alle Fraktionen auf, eine Initiative zur Rettung des Radwegs zu beschließen. Optimal sei eine Querung am Ortsausgang Niendorf und die komplette Trassenführung auf der südlichen Straßenseite – also durch die geschützte Niederung.

„Wir fordern unseren Landtagsabgeordneten Heiner Scholing (Grüne, die Red.) auf, eine Ausnahmegenehmigung auf Landesebene zu erwirken und solange die Anmeldung des Radweges beim Land vom Landkreis Uelzen aufrecht zu erhalten“, schreibt Franke. SPD und CDU sollten über die Landes-SPD und den Landrat einwirken.

Wulfstorfs Ortsvorsteher Hans-Otto Gäthje ist enttäuscht. Sein Amt hat er Anfang des Monats abgegeben. Was ihn besonders ärgert: Dass erst jetzt über das Scheitern des Vorhabens informiert wird, obwohl bereits der 1. September der Stichtag war.

Von Gerhard Sternitzke

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