Parteienmehrheit entscheidet sich für günstigeres Angebot / Grüne fordern andere Prioritäten

Kein Ökostrom für Bienenbüttel

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Licht und Schatten am Bienenbütteler Rathaus: Die Grünen kritisieren die Entscheidung gegen den Bezug von Ökostrom. Durch einen Zuschuss für die Weihnachtsbeleuchtung würden falsche Prioritäten gesetzt.

Bienenbüttel. „Der Strom kommt aus der Steckdose“, lautet ein geflügeltes Wort, das immer dann zum Einsatz kommt, wenn es um die Herkunft der Energie geht.

1,2 Millionen Kilowattstunden pro Jahr (Stand 2013) verbrauchen in der Gemeinde Bienenbüttel Rathaus, Grundschule, Straßenlaternen, Waldbad und Kläranlage mit Pumpwerken. Bezogen wird Strom aus konventioneller Erzeugung, und das soll auch so bleiben, hat der Verwaltungsausschuss gerade entschieden. Dagegen laufen die Grünen Sturm, die schon seit Jahren einen Umstieg auf Ökostrom fordern.

Reinhard Schelle-Grote

Alle zwei Jahre wird die Versorgung von der Gemeinde neu ausgeschrieben. Laut Bürgermeister Dr. Merlin Franke würde der Umstieg Mehrkosten von etwa 1500 Euro verursachen. „Die Verwaltung plädiert aufgrund des Grundsatzes des sparsamen Umganges mit Steuermitteln für die Variante Normalstrom“, erklärt er auf Nachfrage der AZ. Angebote werden über die Kommunale Wirtschafts- und Leistungsgesellschaft (KWL), eine 100-prozentige Tochter des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes, eingeholt. 2014 hatte die Gemeinde eine Stromrechnung über 213 000 Euro.

1500 Euro Differenz – „ein verschwindend geringer Anteil an den zu erwartenden Kosten des Stromverbrauches der Gemeinde“, kritisiert Reinhard Schelle-Grote, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bienenbütteler Gemeinderat. „Die zu erwartenden Kosten des Klimawandels lassen die Sparbemühung der Gemeindeverwaltung geradezu absurd erscheinen.“ Die Signale der Klimakonferenz von Paris seien bei CDU und Kommunalpolitischer Alternative (KA) offenbar noch nicht angekommen.

In diesem Zusammenhang geißelt Schelle-Grote den Zuschuss von 4500 Euro, mit dem die Gemeinde die Wirtschafts- und Tourismusgemeinschaft (WTG) bei der Ergänzung der Weihnachtsbeleuchtung unterstützt. „So können auch Prioritäten gesetzt werden!“, ärgert sich der Grünen-Chef.

Er zieht aber auch die von der Gemeinde angeführten Mehrkosten von 0,1 Cent pro Kilowattstunde in Zweifel. Nach Zahlen des Städte- und Gemeindebundes beliefen sich die durchschnittlichen Mehrkosten für Ökostrom auf 0,05 Cent. Er fordert eine jährliche Erfassung aller Stromverbräuche der gemeindlichen Liegenschaften. „Schätzungen“, so Schelle-Grote, „helfen uns nicht weiter. Nur durch eine konkrete Erfassung kann der Verbrauch eingeschätzt und gegebenenfalls gegengesteuert werden.“

„Sollte die Ausschreibung ergeben, dass Ökostrom günstiger ausfällt, wird sich die Verwaltung dann in zwei Jahren für Ökostrom aussprechen“, kündigt Bürgermeister Franke an und fügt hinzu: „Aber nicht aus ideologischen Gründen. Die Ersparnis sollte genutzt werden, um insgesamt die Energiekosten zu senken, beispielsweise für den Abschluss der LED-Beleuchtung im Rathaus.“

Von Gerhard Sternitzke

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