Graefkes Fleischwaren hat für eine knappe Million Euro angebaut / Bienenbütteler Familienbetrieb exportiert Konserven

Japaner lieben deutsche Würstchen

Geschäftsführerin Christiane Harms hat knapp eine Million Euro in einen Anbau für Gaefkes Fleischwaren investiert. Er bietet auch Platz für weitere Produktionserweiterungen.

Bienenbüttel. Die Bienenbütteler konnten zuschauen, denn die Baustelle lag direkt neben dem Edeka-Parkplatz. Für eine knappe Million Euro hat der Wurstfabrikant Graefkes Fleischwaren seit Mai vergangenen Jahres seine Betriebsstätte um 1200 Quadratmeter erweitert.

Der zweistöckige, mit Aluminiumwellblech verkleidete Anbau folgt der Twiete im sanften Schwung. Die AZ warf mit Geschäftsführerin Christiane Harms einen Blick in die fast fertigen Räume.

Ohrenbetäubend kreischt die Kreissäge in einem großen Raum, der eigentlich gar nicht benötigt wird. Er steht für zukünftige Produktionserweiterungen zur Verfügung. Die Sterilisation nebenan ist bereits in Betrieb. Die zwei chromglänzenden Kessel können jeweils bis zu 3000 Wurstgläser aufnehmen. „Die Wurst wird bei 112 Grad sterilisiert, damit sie die Haltbarkeit erreicht“, erklärt Christiane Harms, die den gut 100 Jahre alten Betrieb bereits in vierter Generation führt.

Nebenan befindet sich die Wäsche, in der die Körbe, in denen die Gläser transportiert werden, gereinigt werden. Nebenbei konnten durch die Erweiterung auch die Produktionsabläufe, die im Altbau bleiben, verbessert werden. „Damit werden in der Produktion Kreuzwege vermieden“, sagt die 42-Jährige. Als Kreuzwege werden Punkte bezeichnet, an denen frisches Fleisch an den Wurstwaren vorbei transportiert werden. Das will man aus hygienischen Gründen vermeiden.

Verbesserungen gibt es auch für die 31 Mitarbeiter. Im Obergeschoss ist ein neuer Sozialtrakt mit Sanitär- und Aufenthaltsräumen entstanden. Schwarz- und Weißbereich, also die Räume, die in Straßenkleidung betreten werden und in denen Kittel, Haarschutz und Stiefel getragen werden, sind aus Hygienegründen klar getrennt.

Täglich werden in dem Bienenbütteler Betrieb mit viel Handarbeit 15 Tonnen Wurstwaren hergestellt. Das Unternehmen erwirtschaftet damit einen Jahresumsatz von 4 Millionen Euro. 90 Prozent der Produktion werden an Vertriebsgesellschaften in ganz Deutschland geliefert, zehn Prozent gehen in den Export. Neben europäischen Ländern stehen auch Japan, Hongkong und Ecuador auf der Lieferliste. „Die Japaner haben Würstchen und Bratwurst im Glas. Das wird da in Delikatessengeschäften neben Süßigkeiten verkauft“, berichtet Christiane Harms.

Eher zufällig ist Christiane Harms’ Vater Heinrich Graefke 1982 in den Export eingestiegen. Damals suchte der Leberlieferant ein Unternehmen, das nach Dänemark liefern könnte. Anschließend beteiligten sich die Bienenbütteler auch an Auslandsmessen.

Geliefert wird nach Bedarf. Die Belgier etwa essen traditionell von September bis März Würstchen mit Sauerkraut. Zurückgegangen ist dagegen die Ausfuhr in das von der Wirtschaftskrise gebeutelte Spanien, erzählt Christiane Harms: „Die Leute besinnen sich auf die Grundnahrungsmittel. So ein Würstchen im Glas ist dann ein Luxus.“

Von Gerhard Sternitzke

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