Bürgermeister stellt klar: Nur noch drei Grundstücke

Zweifel an Behauptungen der Verwaltung: Wie hoch ist Bauland-Bedarf?

+
Im Steddorfer Baugebiet Wellbruch II wird bereits fleißig gebaut. Laut Bürgermeister Dr. Merlin Franke gibt es dort nur noch drei freie Baugrundstücke, danach hat die Gemeinde keine Bauplätze mehr.

Bienenbüttel. „Derzeit verfügt die Gemeinde Bienenbüttel über nahezu keine veräußerungsfähigen Bauplätze mehr. Fast sämtliche der Gemeinde zur Verfügung stehenden Bauplätze sind verkauft und/oder stellenweise sogar mehrfach reserviert.“

Mit diesen Worten hatte Bienenbüttels Bürgermeister Dr. Merlin Franke in einem Brief an die Hohenbosteler um Verständnis für ein Baugebiet im Dorf als Zwischenlösung für die Gemeinde geworben (AZ berichtet). Nachdem auch die Kommunalpolitische Alternative (KA) auf Distanz gegangen ist, hat sich, wie berichtet, auch der Bauausschuss vorerst gegen das Projekt ausgesprochen. In der Bürgersprechstunde zogen Bürger auch den Mangel an bebaubaren Grundstücken in Zweifel.

Passend zu diesem Artikel:

Doch kein neues Bauland?

Hohenbostel als "Zwischenschritt"

Politiker beugen sich dem Bürgerwillen

Nach Auskunft von Bauamtsleiterin Inga Heitmann sind derzeit 17 von 38 Grundstücken im Steddorfer Baugebiet Wellbruch II verkauft. „Derzeit sind noch vier Grundstücke frei im Wellbruch II, der Rest ist verkauft oder reserviert“, informierte Heitmann auf Nachfrage. „Im April waren alle mehrfach reserviert.“ „Das heißt, die Nachfrage ist rückläufig“, schloss Anwohner Reiner Stephan aus Hohenbostel. Einige der Bauinteressenten könnten nach Klärung der Finanzierung einen Rückzieher gemacht haben, vermutete die Bauamtsleiterin. Eine Entspannung sah sie nicht. So habe es bereits auf die ersten Berichte in der AZ zehn Reservierungsanfragen in das von der Verwaltung vorangetriebene Baugebiet am Rand von Hohenbostel gegeben.

Andere Zuhörer verwiesen auf den in Paragraph 1a des Baugesetzbuches formulierten Vorrang zur Bebauung von Baulücken und Brachen. „Gibt es bisher überhaupt ein Bauflächenbrachkataster?“, fragte ein Bürger. Die Anschaffung einer entsprechenden Software sei auf Landkreisebene geplant, so Heitmann. „Da sind noch Kapazitäten und es gibt kein Brachflächenkataster“, folgerte Reiner Stefan. „Es würde ganz viel Platz in Bienenbüttel geben, wenn man sich darum kümmern würde, wo Leerstand ist.“

Dies bezweifelte Bauamtsleiterin Heitmann. Sie verwies auf einer Untersuchung des Landkreises Uelzen unter anderem über Baumöglichkeiten in Bienenbüttel. „Wir haben die B 4, die Bahn und die Ilmenau, da ist keine Bebauung möglich. Da haben wir ein großes Handicap.“

Die KA hatte sich gegen die Planungen für Hohenbostel gestellt, nachdem klargeworden war, wie groß der Widerstand im Dorf ist. Auch sie stellte den Druck auf die Gemeinde in Frage. „Die KA-Ratsfraktion bezweifelt, dass ,fast sämtliche der Gemeinde zur Verfügung stehenden Bauplätze verkauft und/oder stellenweise mehrfach reserviert’ sein sollen“, hieß es in dem vom Fraktionsvorsitzenden Hans-Jürgen Franke und Ratsherr Mathias Jeßen unterzeichneten Antrag.

Die Baulandfrage ist also von einer Arbeitsgruppe zu klären, die nun das gesamte Gemeindegebiet in den Blick nehmen soll. Dabei hat Bauamtsleiterin Inga Heitmann bereits darauf hingewiesen, dass nach den gültigen Regeln größere Baugebiete nur zwischen Bienenbüttel und Wichmannsburg, in Steddorf und Hohenbostel möglich sind.

Bürgermeister Franke beharrt darauf: Im Moment werden wöchentlich Kaufverträge besiegelt. Und wenn die drei noch freien Baugrundstücke in Steddorf vergeben seien, gebe es keine Bauplätze mehr.

Von Gerhard Sternitzke

Kommentare