Marktbeschicker und Besucher entkommen dem Alltagsstress

Heerlager in Bienenbüttel: Urlaub im Mittelalter

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Nicht nur Gaukler und Händler sind an der Ilmenau zu finden: Auch der Adel zeigt sich beim bunten Treiben.

Bienenbüttel. Es dreht sich alles um die Zeit: Auf den Wiesen an der Ilmenau, dort, wo einst in der Nähe die mittelalterliche Biangibudiburg gestanden haben soll, haben Melanie Tenwolde und ihr Mann das Lager aufgeschlagen.

Auf ihrem Schoß ein Berg von gesponnenen Schafswolle-Fäden. Melanie Tenwolde hat sich am Sonnabendnachmittag die Aufgabe gestellt, Ordnung ins Chaos zu bringen. Einige Stunden wird sie benötigen. Das stört die Frau aber nicht: Sie sei nach Bienenbüttel gekommen, damit sie nicht den Zeitdruck des Alltags spüre, sagt sie. Dafür hat Tenwolde, wie gut 300 weitere Männer, Frauen und Kinder, die Zeiger der Uhr zurückgedreht – um Jahrhunderte.

Detlef Krohn aus Beverbeck hat an diesem Wochenende zu einem Mittelaltermarkt auf den Ilmenauwiesen eingeladen. Gekommen sind Vereine, Händler, Schausteller – und jene, die sich das Treiben längst vergangener Zeiten anschauen wollen. Sie alle eint die Begeisterung für das Mittelalter. Das heißt, auch so zu leben wie im Mittelalter. Wer an diesem Wochenende auf den Wiesen lagert, trägt historische Gewänder oder schleppt schwer an metallenen Rüstungen. Gekocht wird über offenem Feuer in schwarzen Kesseln. Aus Krügen werden die Getränke ausgeschenkt.

Die Brüder Ingo und Peter Brindöpke aus Pinneberg arbeiten unter der Woche als Elektro-Ingenieur und Computerfachmann. Termine bestimmen den Lebensalltag. In Bienenbüttel wollen sie nur eines: Gelegentlich zu ihren Schwertern greifen. Für die Mitglieder der Schaukampf-Akademie Pinneberg ist der Markt in Bienenbüttel willkommene Gelegenheit, um die Klingen zu kreuzen. Ihnen gehe es um möglichst imposante Choreographien, nicht um die Frage, wer der Überlegene ist, betont Peter Brindöpke. Und dafür braucht es die Atmosphäre eines Mittelaltermarktes? „Ich mache gerne Urlaub im Mittelalter“, so Peter Brindöpke. Sein Bruder sagt, was viele so oder in ähnlicher Form an diesem Tag immer wieder äußern: „Ich mag es sehr gerne, nicht den Druck zu spüren.“ Deshalb hat er für das Wochenende auch das Handy ausgeschaltet. Dass es in der Türkei einen Putschversuch des Militärs gegeben hat, erfährt er erst im Gespräch mit der AZ.

Fritz Maurer ist aus Celle nach Bienenbüttel gekommen – nicht als Teil des Marktes, sondern als Besucher. Neugierig sei er gewesen auf das, was an den Ilmenauwiesen zu sehen ist. Unterhalten wird er von Gauklern wie Robert Blake, der die Gäste des Marktes mit Kunststücken und Blödeleien amüsiert. Es wird herzhaft gelacht.

Er sei für etwas Zerstreuung und, um dem Alltag zu entfliehen, nach Bienenbüttel gekommen, so Maurer. „Jeder macht das auf seine Weise.“ Die Teilnehmer des Marktes, indem sie eine Zeitreise ins Mittelalter unternehmen. „Alle Achtung, wie die hier leben“, sagt Maurer.

Von Norman Reuter

Mittelaltermarkt in Bienenbüttel

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