Engagement in Masuren: „Großes für unser Land geleistet“

Grünhagenerin Kerstin Harms erhält polnisches Verdienstkreuz

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Kerstin Harms aus Grünhagen organisiert regelmäßig Hilfstransporte nach Masuren. Jetzt erhielt sie die höchste Auszeichnung der polnischen Region.

Grünhagen. Kerstin Harms ist die Frau mit dem Lastwagen.

Vier- bis fünfmal im Jahr reist die Grünhagenerin ins 900 Kilometer entfernte Masuren, um sozial schwache Familien und alte Menschen in der Region mit Geschenken und Hilfsmitteln wie Rollstühlen, Rollatoren und Pflegebetten zu unterstützen. Die selbstlose Arbeit der Vorsitzenden des Vereins Freunde Masurens beeindruckte schon die Gäste bei der AZ-Gala „Mensch 2015“. Jetzt wurde die 53-Jährige in Polen mit dem Goldenen Verdienstkreuz geehrt. Das ist die höchste Auszeichnung, die in der Region Ermland-Masuren verliehen wird. Landtagspräsident Julian Osiecki überreichte den Orden.

„Sie haben Großes für unser Land geleistet“, betonte der Direktor des Landtagsparlaments Marek Viktor Leyk und zählte all die Hilfsaktionen der Vertriebsangestellten auf, die inzwischen zwei Patenkinder in einer polnischen Familie hat. Unter anderem brachte sie – ebenfalls mit dem Lkw – 200 gespendete Fahrräder in die Region, organisierte Hörgeräte im Wert von 100 000 Euro für alte Menschen, spendete Musikinstrumente für Blinde.

Die Hilfe ist hoch willkommen. Die Lebensmittelpreise sind in Polen vergleichsweise hoch, die Renten reichen kaum für das Nötigste aus. Hinzu kommt: Die Region Masuren lebt fast ausschließlich von der Tourismusbranche. „Nach der Saison werden die Schotten dicht gemacht, dann sind die meisten arbeitslos“, berichtete Kerstin Harms der AZ.

Der Verein Freunde Masurens zählt inzwischen rund 250 Mitglieder. Hilfstransporte wie regelmäßige Masuren-Fahrten haben zum gegenseitigen Verständnis von Polen und Deutschen beigetragen. Zudem hat die Grünhagenerin eine Gesprächsreihe, die Sorquittener Gespräche, ins Leben gerufen. Sie sorgte dafür, dass im masurischen Ryn ein Denkmal für die Gewalt an der Zivilbevölkerung errichtet wurde. Dort wurden 24 Frauen, Kinder und alte Männer im Januar 1945 getötet und in einem Massengrab verscharrt. Und sie setzte sich dafür ein, dass eine baufällige Kirche vor dem Verfall gerettet wurde.

Kerstin Harms hat keine familiären Beziehungen zu Masuren. Das Land der tausend Seen und seine Bewohner lernte sie bei einer Busfahrt kennen und lieben.

Die Nachricht von der Ehrung brachte Pastor im Ruhestand Fryderyk Tegler mit nach Deutschland, der den Kontakt in die polnische Region aufgebaut hat. Er ahnt: Kerstin Harms wäre wohl zu bescheiden gewesen, von ihrer eigenen Ehrung zu erzählen.

Von Gerhard Sternitzke

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