DFB-Schatzmeister Reinhard Grindel in Bienenbüttel

Fußball als Erzieher der Nation

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Zu Besuch in Bienenbüttel: Reinhard Grindel.

Bienenbüttel. Zwei Wochen vor der Weltmeisterschaft in Brasilien braucht man eigentlich nicht zu erklären, welchen Stellenwert König Fußball hat.

Reinhard Grindel, Schatzmeister des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) und Vizepräsident des Niedersächsischen Fußballverbands, tat es dennoch. In Bienenbüttel präsentierte er auf Einladung der CDU sogar Zahlen. Denn während die Kirchen seit dem Jahr 2000 zehn Prozent ihrer Mitglieder verloren haben, die Gewerkschaften 25 und die Parteien 30 Prozent, konnten die Fußballvereine zehn Prozent neue Mitglieder verbuchen.

6,9 Millionen Deutsche besitzen einen Mitgliedsausweis, 164 000 spielen in Mannschaften. „Der Fußball führt die Menschen in einer Weise zusammen wie kaum etwas anderes in dieser Gesellschaft“, betonte der CDU-Bundestagsabgeordnete aus Rotenburg/Wümme in seinem Vortrag „Ehrenamt und Integrationskraft des Fußballs in Deutschland“. Grindel: „Da steht der Banker noch neben dem Hartz-IV-Empfänger.“

Dieses Gemeinschaftserlebnis sei auch den im internationalen Vergleich günstigen Eintrittspreisen zu verdanken. In diesem Zusammenhang rechtfertigte Grindel, Haushälter über einen Etat von 200 Millionen Euro, auch die umstrittenen Business-Seats für zahlungskräftige Fußballfans. Mit diesen zehn Prozent der Plätze erzielten die Vereine 50 Prozent ihrer Einnahmen. „Sie sorgen dafür, dass der Stehplatz für 20 Euro gehalten werden kann.“

Ähnlich reagierte er auf die Kritik an der exklusiven Übertragung von Spielen im Bezahl-Fernsehen. „Es gibt soviel freie Berichterstattung wie nirgendwo sonst in Europa“, betonte Grindel. Auf der anderen Seite würden die Einnahmen gebraucht. Trotzdem versprach der Fußball-Funktionär: „Ich will mit Oliver Bierhof sprechen, was wir machen wollen.“

Dass Fußball mehr ist als sportliche Unterhaltung, machte das DFB-Vorstandsmitglied am Beispiel der Jugendarbeit deutlich. „Özil hat auf Facebook 18 Millionen Freunde. Die orientieren sich an den Stars.“ Deshalb achte der DFB auch auf ein gewisses Auftreten der Profispieler auch abseits des Platzes. Integrierend wirke der Fußball gerade auf Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund. „Özil und Khedira zeigen, dass man es mit Fleiß und Training bis nach ganz oben schaffen kann.“ In ihrer Fußballmannschaft erlebten die Kinder und Jugendlichen Zusammengehörigkeitsgefühl und Anerkennung.

Ohne Ehrenamtliche geht allerdings nichts in den Vereinen. Ihnen müsse man deutlich machen, dass sie auch etwas für sich selbst täten. „Das setzt voraus, dass es eine Anerkennungskultur gibt“, betonte der DFB-Funktionär. Das Ehrenamtsgesetz mit höheren Übungsleiterpauschalen sei da ein Schritt in die richtige Richtung. „Dazu gehört, dass die Kommunen die Vereine optimal unterstützen“, fügte Grindel hinzu. So sei die Forderung nach Kunstrasenplätzen kein Luxus, wenn Jugendmannschaften auch im Winter bei der Stange gehalten werden sollten.

Von Gerhard Sternitzke

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