Old Merry Tale Jazzband in Bienenbüttel / Jost Münster denkt nach 60 Jahren nicht ans Aufhören

Das „Fräulein“ ist so frisch wie einst

+
In wechselnder Zusammenstellung seit 60 Jahren auf der Bühne: Die Old Merry Tale Jazzband mit Jost Münster, Dave Bowler, Reiner Regel und Gerald Bartels (von links). 

Bienenbüttel. Die Geschichte der Old Merry Tale Jazzband liest sich wie eine packende Familiensaga. Sie handelt von Erfolgen und Brüchen, Trennung und Versöhnung – und einem, der dem Plot zu ein wenig Kontinuität verhilft: Jost „Addi“ Münster.

Der Vollblutmusiker – 81 Jahre alt und seit der Bandgründung vor 60 Jahren dabei – steht mit seiner „Musikerfamilie“, gerade wieder in leicht erneuerter Besetzung, in der Bienenbütteler Markthalle vor vollem Haus und badet im Applaus.

Das „Kleine Fräulein“ – der Erfolgssong aus den Anfangszeiten – hat seine Wirkung auch heute nicht verfehlt – bei Zuhörern wie Jürgen Dammann aus Melbeck, die diesen „ganz eigenen Sound“ der Old Merry Tales nicht erst gestern für sich entdeckt haben. Das ausgedehnte Piano-Intro, Dave Bowlers tiefe, kräftige Stimme, das Banjo im anregenden Dialog mit dem Schlagzeug: Gisela, das Fräulein, erscheint so frisch und fröhlich wie damals...

Wie damals ist – abseits der Musik – ansonsten wenig geblieben bei der Hamburger Traditionsband: Bei der Gründung 1956 war nur Münster dabei. Er hat sie alle miterlebt: die größten Erfolge Anfang der Sechziger, als man noch jeden Tag auf der Bühne stand, aber auch den endgültigen Bruch 1984, als interne Differenzen plötzlich zwei Bands unter fast identischem Namen hervorbrachten. Wie es dazu kam? Jost Münster will das nicht vertiefen. Es ging – so viel sei verraten – um Qualität und Übungsaufwand. Das Kriegsbeil liegt aber schon lange Zeit begraben.

Nach Bienenbüttel zum Beispiel hat sich der Frontmann Trompeter Thomas Niemand von der einstigen Konkurrenz eingeladen. Die Bandfamilie empfängt gerne Gäste. Von Harmonie zeugt nicht nur der musikalische Dialog zwischen Posaune, Schlagzeug, Trompete, Bass und Co.: Es stimme auch zwischenmenschlich, betont Münster und verschweigt das Geheimnis dieser gesunden Beziehung nicht: „Man muss einfach miteinander reden – darüber, was los ist, und nicht viel mailen oder ähnlich herumdaddeln.“

Heute ist die Band rund 25 Mal im Jahr live zu hören – und immer ist irgendetwas anders. Demnächst etwa wird die Gruppe von einer Bauchtänzerin begleitet – in Bienenbüttel kam das Publikum bereits in den Genuss der musikalischen Generalprobe – und es besteht kein Zweifel an dem, was Münster klar zu verstehen gibt: „Es ist noch kein Ende in Sicht.“

Von Anna Petersen

Kommentare