„Angespannte Liquiditätslage“ bei Vogler in Steine: Stammarbeitsplätze sollen gesichert werden

Fleisch-Riese geht in Planinsolvenz

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45000 Schweine in der Woche wurden 2011 bei Vogler Fleisch geschlachtet. Zuletzt soll die Produktion eingebrochen sein.

stk/ejz Steine/Varendorf. Wieder verunsichert eine Insolvenz in der Fleischbranche die Bauern: Nach der Pleite von Neuland Vertrieb Nord in Bad Bevensen im vorigen Jahr hat jetzt Vogler Fleisch in Steine zwischen Clenze und Lüchow beim Amtsgericht Uelzen Antrag auf Planinsolvenz gestellt.

Als Grund nennt ein Sprecher des Landgerichts Lüneburg gestiegene Rohstoffpreise. Ob damit die Preise für Schweine oder andere Rohstoffe gemeint sind, bleibt offen. Die Folge sei eine „angespannten Liquiditätslage“. Zudem sei ein möglicher Investor abgesprungen.

Die Probleme haben sich offenbar schon länger abgezeichnet. Ein Mitarbeiter berichtet, die Zahl der geschlachteten Tiere sei vor etwa sieben Wochen abrupt gesunken – auf mittlerweile 20 Prozent der bisherigen Produktion. Oft seien die Mitarbeiter nur zwei bis vier Stunden beschäftigt gewesen. Für sie sei das gleichbedeutend mit weniger Geld gewesen, da die Schlachtmitarbeiter überwiegend bei Personaldienstleistern angestellt seien.

Noch vor Jahren hatte das Unternehmen laut einer älteren Pressemitteilung Millionenbeträge in die Übernahme von Konkurrenten und in bauliche Maßnahmen investiert. 2011 lag der Jahresumsatz demnach bei 400 Millionen Euro, davon 23 Prozent im Auslandsgeschäft. Pro Woche wurden in Steine, Bremen und Laatzen insgesamt 45 000 Schweine geschlachtet. Damals zählte Vogler Fleisch noch 800 Mitarbeiter.

Durch die Planinsolvenz, so der Landgerichtssprecher, sollen die 100-köpfige Stammbelegschaft erhalten werden. Eine Zerschlagung sei nicht geplant. Unter dem Schutz des Verfahrens sollen „notwendige strukturelle Anpassungen“ vorgenommen werden, um wieder „marktfähig“ zu werden“, teilt das Unternehmen selbst mit. Nach Angaben des Landgerichtssprechers wurden ein vorläufiger Sachwalter eingesetzt.

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) fordert für die Landwirte als Lieferanten und die Beschäftigten klare Informationen über die Ursachen der Liquiditätskrise und über geplante Sanierungsmaßnahmen. Der Einkauf des Schlachtviehs jedenfalls könne für die Krise nicht verantwortlich sein, betonte AbL-Sprecher Eckehard Niemann aus Varendorf. Die meisten Landwirt seien schon aus Gründen des Wettbewerbs am Erhalt von Vogeler interessiert. Dies dürfe aber nicht zu Lasten der ohnehin gebeutelten Lieferanten gehen. Die AbL forderte erneut ein Ende der „ruinösen Überproduktion“ in der Fleischbranche, die durch nicht kostendeckende Exporte in Drittländer noch verschärft werde.

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