Teichbesitzer beklagt geraubte Forellen

Der Fischotter hat den gesamten Landkreis Uelzen besiedelt

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Fischotter bei der Mahlzeit. Der Marder mit dem wasserdichten Fell hat inzwischen alle größeren Gewässer im Landkreis Uelzen besiedelt. Bei Teichbesitzern ist er nicht so geschätzt.

Bienenbüttel. „Es hat keinen Zweck mehr“, sagt Gerhard Pridöhl frustriert. Der Bienenbütteler wohnt idyllisch an der Ilmenau. Jedes Jahr hat der 78-Jährige dank des sauberen Wassers leckere Forellen gezogen, jetzt setzt er keine Fische mehr aus.

Denn im vorigen Jahr war der Fischotter schneller. Der holte innerhalb weniger Tage nicht nur alle 58 Forellen, sondern zum Nachtisch auch noch die Goldfische aus dem Zierteich.

Dr. Oskar Kölsch

Einen Irrtum muss Dr. Oskar Kölsch von der Aktion Fischotterschutz in Hankensbüttel gleich ausräumen: „Der Otter ist nicht ausgesetzt worden. Er ist in den neunziger Jahren ganz natürlich wiedergekommen.“ Dabei kamen dem seit Jahrzehnten ausgestorbenen Wasserräuber die Bemühungen um saubere Gewässer und die Renaturierung von Fluss- und Bachläufen entgegen. Inzwischen hat er alle größeren Gewässer im Landkreis Uelzen außer dem Elbe-Seitenkanal wieder besiedelt – ein Erfolg für den Umweltschutz.

Wie zahlreich der Fischotter ist, weiß keiner. Der Marder mit dem wasserdichten Fell ist vor allem nachts und in der Dämmerung aktiv.

Die Naturschützer kommen dem Einzelgänger nur anhand von Spuren und seiner Hinterlassenschaften auf die Spur, berichtet Kölsch: „Er markiert sein Revier unter Brücken und auf Steinen, indem er Kot absetzt. Der riecht ein bisschen nach Nordsee und enthält Fischschuppen.“ Ein indirekter Hinweis: Im vorigen Jahr wurden im Kreisgebiet vier überfahrene Fischotter gezählt.

Auf der Speisekarte des Fischotters stehen neben Fischen auch Frösche, Wasserratten und Mäuse. Ein Fischteich ist für ihn eine unwiderstehliche Versuchung: „Er frisst, wo er am leichtesten rankommt“, räumt Kölsch ein. In der Natur muss er seine Beute jagen.

Das Otterzentrum in Hankensbüttel führt deshalb Versuche durch, wie der Fischotter am effektivsten von Fischteichen ferngehalten werden kann. Am sichersten, so Kölsch ist eine feste Einzäunung mit Maschendraht und einer Elektrolitze. Erprobt wird gerade eine Folienschwelle mit Elektrozaun.

Für den Fischotter aber könnte noch viel mehr getan werden, findet Dr. Kölsch. Viele Bäche und Flüsse seien immer noch kanalisiert, es fehle der Bewuchs an den Ufern – Erlen, an deren Fuß sich der Otter verstecken kann.

Von Gerhard Sternitzke

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