Kein Ende beim Pfusch im Bienenbütteler Zentrum: Kurze Straße wird 2016 für 48 000 Euro neu gebaut

Firma „vergaß“ Unterbau

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In der Kurzen Straße trifft sich Bienenbüttel zum Tanken. Bei den Bauarbeiten im Oktober wurde festgestellt, dass bei der Umgestaltung des Ortskerns vor vier Jahren teilweise der Unterbau vergessen beziehungsweise in ungleicher Stärke ausgeführt wurde.

Bienenbüttel. Nicht schon wieder! Das mag manches Mitglied im Bauausschuss am Mittwochabend gedacht haben, als Bienenbüttels neue Bauamtsleiterin Inga Heitmann ihnen eröffnete, dass im nächsten Jahr wieder eine Straße im Zentrum aufgerissen werden muss, weil beim Bau gepfuscht worden ist.

Gerade erst ist die Bahnhofstraße in den Herbstferien zum dritten Mal gepflastert worden. 2016 soll nun die Kurze Straße für fast 48 000 Euro neu gebaut werden.

Gestern kostet der Liter Super bleifrei 1,28 Euro. Die Kurze Straße ist vielleicht gerade mal 75 Meter lang, aber hier trifft sich Bienenbüttel auf der kleinen örtlichen Tankstelle. Wer genau hinschaut, bemerkt im Pflaster kleine Unregelmäßigkeiten, einzelne Platten ragen ein paar Millimeter aus der Oberfläche heraus.

Die neuerlichen Schäden wurden erst während der Bauarbeiten im Oktober entdeckt, bei der auch die Einfahrt in die Kurze Straße erneuert wurde, berichtete Inga Heitmann: „Da wurde festgestellt, dass der Unterbau nicht richtig erstellt wurde, so dass der Sachverständige empfohlen hat, die Verkehrsfläche neu aufzubauen.“ Was der Experte im einzelnen ermittelte, war unglaublich. Jede Straße hat einen Unterbau aus Kies- und Schotter-Schichten. In der Kurzen Straße war dieser Unterbau nach Heitmanns Worten unterschiedlich dick und teilweise gar nicht ausgeführt.

„Der Unterbau war eine Katastrophe“, sagt auch Bürgermeister Dr. Merlin Franke. Die Einmündung, im Straßenbauer-Deutsch „Trompete“ genant, wurde erneuert, der Neubau der Straße selbst aber nicht mehr begonnen, um nicht einen Baustopp wegen eines Wintereinbruchs zu riskieren. „Das wollten wir im Sinne der Bürger und Anwohner vermeiden“, so Franke.

Die Gemeinde prüft gerade, ob sie klagt. Gegen wen, verrät Franke nicht. Dem unbeteiligten Beobachter drängt sich der Eindruck auf, dass bei der Firma, die noch vor der von der Gemeinde verlangten dritten Nachbesserung der Bahnhofstraße in Insolvenz ging, Pfusch nicht nur Prinzip war, sondern dass vielleicht auch absichtlich am Material gespart wurde. Die Kommunen sind verpflichtet, Baumaßnahmen ab einer bestimmten Größe auszuschreiben und das günstigste Angebot auszuwählen. Anlieger wollen jedenfalls schon während der Bauarbeiten 2011 beobachtet haben, dass nicht sauber gearbeitet wurde.

Schon in der Bahnhofstraße hatte es im Oktober eine böse Überraschung gegeben. Als die Bauarbeiter nach dem Austausch der Tragschicht eigentlich schon mit dem Pflastern beginnen wollten, hatte sich herausgestellt, dass auch die Gossen auf 160 Metern Länge ausgetauscht werden mussten. Die Baufirma aus dem Landkreis Gifhorn konnte dennoch nach zwei Wochen die Straße wieder für den Verkehr freigeben.

Die Arbeiten waren mit 108 000 Euro kalkuliert, die Verteuerung durch die Gossen ist noch nicht beziffert. 20 000 Euro hatte die Gemeinde von der Pleite-Firma einbehalten, außerdem hat sie sich eine Bürgschaft gesichert.

Von Gerhard Sternitzke

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