Moschuserdbeeren machen Strich durch Planungen zwischen Niendorf und Wulfstorf

Strenge Naturschutzauflagen: Erdbeere verhindert Radweg

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Die Moschuserdbeere fühlt sich an Wäldrändern und feuchten Gebüschen wohl. Sie wuchert auch da, wo die Gemeinde Bienenbüttel einen Radweg von Niendorf nach Wulfstorf plant – und könnte diesen verhindern.

Niendorf. Hinter Niendorf drehen die Autofahrer auf. Noch eine Kurve, dann geht es auf die Zielgerade. Für die meisten Wulfstorfer heißt das: zum Einkaufen mit dem Auto nach Bienenbüttel. Mit dem Fahrrad ist es zu gefährlich.

Die Gemeinde plant deshalb einen Radweg (AZ berichtete). Bis zum 1. September muss der Entwurf abgeschlossen sein, damit der Weg im nächsten Jahr gebaut werden kann. Doch jetzt wird das Projekt grundsätzlich in Frage gestellt. Schuld ist eine wilde Erdbeere: die Moschuserdbeere, auch Zimt-Erdbeere genannt. „Und die ist vom Aussterben bedroht“, erklärt Bienenbüttels Bauamtsleiterin Inga Heitmann.

Das Pflänzchen wurde bei einer Biotopkartierung entdeckt. Die ist nämlich Voraussetzung für eine Genehmigung, denn hinter dem Ortsschild von Niendorf beginnt das Naturschutzgebiet Vierenbach, das auch die Niederung am Hartgenbeck umfasst. Dort fühlt sich auch Fragaria moschata, so der wissenschaftliche Name, wohl. „Sie gedeiht oft an Waldrändern, auch an feuchten Gebüschstandorten“, heißt es in der Internetenzyklopädie Wikipedia.

Die Planer sind in der Zwickmühle. Aufgrund des FFH-Schutzstatus’ (Flora-Fauna-Habitat) darf der Radweg nur eine bestimmte Fläche versiegeln. Weil durch die Niederung ein Damm gebaut werden müsste, würde diese deutlich überschritten, erläuterte die Bauamtsleiterin jetzt im Bauausschuss. „Die rechte Seite scheidet deshalb aus.“ Auf der linken Seite aber wurden auf etwa 20 bis 30 Quadratmeter die Erdbeeren und weitere schützenwerte Arten entdeckt.

Bleiben zwei Möglichkeiten: eine Umfahrung des Bestandes. Dann wird die zulässige Fläche überschritten. „Oder“, so Inga Heitmann, „man müsste die Moschuserdbeere versetzen.“ Beide Vari-anten werden jetzt geprüft.

„Tausche Erdbeere gegen Radweg“, kommentiert Mathias Jeßen (KA). Bürgermeister Dr. Merlin Franke kritisiert die scharfen Umweltauflagen. „Natürlich müssen Rote-Liste-Arten geschützt werden, aber wenn ein Radweg gebaut werden soll, dann müssen Ausnahmen möglich sein.“ Schließlich käme es der Umwelt zugute, wenn Menschen aufs Fahrrad umstiegen.

Der Landkreis hält sich noch bedeckt. „Da noch nicht alle notwendigen Gutachten vorliegen, steht die Entscheidung über einen möglichen Trassenverlauf noch aus“, teilt Kreis-Sprecher Martin Theine mit. „Bei der Gesamtabwägung des Trassenverlaufes ist auch das Vorkommen der Moschuserdbeere zu berücksichtigen.“

Von Gerhard Sternitzke

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