Jürgen Kannenberg aus Bornsen streitet mit dem bolivianischen Zoll um sein Wohnmobil

Endstation Pampa: Bolivianischer Zoll beschlagnahmt Wohnmobil eines Bornsers

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Mitten in der Pampa an der bolivianisch-argentinischen Grenze steht Jürgen Kannenbergs Wohnmobil. Es wurde vom bolivianischen Zoll beschlagnahmt.

Bornsen/Sucre. Sieben Jahre lang fuhr der Bornser Jürgen Kannenberg jeden Winter mit seinem Wohnmobil durch Südamerika. Er bereiste Argentinien, Paraguay, Chile, Brasilien, Uruguay und auch Bolivien.

In dieser Werkstatt im bolivianischen Sucre sollte Jürgen Kannenbergs Wohnmobil wieder flott gemacht werden – vergeblich.

Dort, an der argentinisch-bolivianischen Grenze, fand die Reise des pensionierten Polizeibeamten ein plötzliches Ende. Der bolivianische Zoll behielt sein Wohnmobil ein. Der Vorwurf: Der Bornser habe es länger als erlaubt im Land gehabt. „Ich hatte alles zunächst für einen schlechten Scherz gehalten“, sagt Kannenberg. Er wandte sich an die deutsche Botschaft in Bolivien und bat um Hilfe. Daraufhin habe der Zoll behauptet, Kannenberg habe ein Dokument unterschrieben, aus dem hervorgehe, dass das Fahrzeug nur 30 Tage im Land bleiben dürfe. „So ein Dokument hat nie existiert“, sagt Kannenberg. Er sei von 90 Tagen ausgegangen, so wie es auch in seinem Visum steht. Auch die Intervention der deutschen Botschaft habe nichts gebracht. Und Hinweise des Botschaftspersonals, man reise eben nicht mit dem Wohnmobil nach Bolivien, seien nicht sehr hilfreich gewesen.

Sieben Jahre fuhr der Bornser Jürgen Kannenberg jeden Winter mit seinem Wohnmobil, Baujahr 1992, durch Südamerika. Am Ende hatte es über eine halbe Million Kilometer auf dem Tacho.

Sein Aufenthalt in Sucre, Boliviens Hauptstadt, war zuvor schon nicht gerade angenehm. Sein Wohnmobil, Baujahr 1992, war rund 50 Kilometer vor der Stadt mitten in der Pampa liegengeblieben. Unter abenteuerlichen Umständen wurde das Wohnmobil mit einem Lkw in eine Werkstatt geschleppt. Doch dort konnte man ihm nicht weiterhelfen. Denn eine richtige Ausbildung haben die meisten Mechaniker nie erhalten. Erst bei der dritten Werkstatt wurde die richtige Diagnose gestellt. Doch die Ersatzteile gab es in Bolivien nicht, die musste Kannenberg im argentinischen Werk des Herstellers in Salta besorgen. In einem überfüllten Überlandbus legte er die Hin- und Rückreise, zusammen rund 1800 Kilometer, über eine staubige Buckelpiste in knapp 48 Stunden zurück. „Die Straße bestand nur aus ein paar Zentimetern Asphalt, einem Haufen Schlaglöchern und Sand“, erzählt Kannenberg. Als der Wagen dann endlich wieder lief, kam es zu den Problemen mit dem Zoll.

Trotz des Ärgers will der Bornser seine Erlebnisse in Südamerika nicht missen. „Ich habe dort viele freundliche, einfache Menschen kennengelernt. Südamerika hat mich schon als Kind fasziniert und tut es bis heute“, sagt er. Er habe in allen Ländern, die er bereist habe, Freunde gefunden. „Die Pflanzen, das Wetter und die Menschen sind einfach toll“, so Kannenberg.

Aber er habe dort auch Rückständigkeit und Korruption erlebt. „Man hat das Gefühl, dass für die Mächtigen immer etwas abfällt“, meint er. Der Kontrast zwischen Arm und Reich steche ins Auge. Die Armut sei erschreckend – neben prunkvollen Hotels stehen Wellblechhütten. „Die Reichen schotten sich von den einfachen Menschen ab“, so Kannenberg. Betonmauern, Nato-Draht und Wachleute seien in den reichen Wohngebieten gang und gäbe.

Abgeschottet ist auch Kannenbergs Wohnmobil, das noch immer an der bolivianisch-argentinischen Grenze beim Zoll steht. Wiederbekommen wird er es wohl nicht. Aber die Leute sollen wissen, was in Südamerika alles passieren kann, sagt er.

Von Lars Lohmann

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