Eingesperrt und abgemagert

Bienenbüttel. Irgendwann konnten sie das jämmerliche Gejaule und Gebell nicht mehr ertragen. Als Nachbarn Anfang der Woche in einem Haus am Schlesierweg in Bienenbüttel nachsehen wollten, warum ein Hund dort Tag und Nacht winselte und kläffte, trauten sie ihren Augen nicht. Durch die Fenster sahen sie einen Schäferhund in erbarmungswürdigem Zustand: Der Vierbeiner war abgemagert und in einem Wohnzimmer eingesperrt, der Fußboden von Kot und Urin verdreckt. Von den Besitzern keine Spur.

Die Menschen versuchten, den Schäferhund durch die Terrassentür so gut es ging zu versorgen; die Fenster des Hauses waren allesamt gekippt. Nicht zuletzt waren die aufmerksamen Nachbarn deswegen auf das Gejaule und den strengen Geruch aufmerksam geworden. Sie alarmierten die Polizei, und die veranlasste umgehend, dass der Hund aus dem Haus gerettet wird.

„Wir haben alles versucht, um die Besitzer des Hundes zu erreichen“, sagt Ramona Meyer von der Polizeistation in Bienenbüttel. Doch weder konnte sie Herrchen noch Frauchen ausfindig machen. Nachbarn zufolge sei der Mann auf Montage und die Frau im Urlaub. Mit der Versorgung ihres Schäferhundes hatten beide einen jungen Mann beauftragt, der aus Zeitgründen aber nur sporadisch in der Lage war, sich um das Tier zu kümmern. Und wenn der Hund „Theater macht“, so hätten die Halter dem Hundesitter noch mit auf den Weg gegeben, solle er ihn einfach in die Transportbox sperren. Dann werde das Tier schon Ruhe geben.

Über Umwege geriet die Polizei an den jungen Mann, der den Hund versorgen sollte und somit auch einen Schlüssel zu dem Haus hatte. Da Gefahr im Verzug herrschte, wurde das Tier befreit und ist im Moment gut untergebracht und wird versorgt.

Der örtliche Tierarzt stellte bei dem Schäferhund zwar keinen bedrohlichen Verwahrlosungszustand fest, wie er auf Nachfrage der AZ sagt. „Der Hund ist aber sehr abgemagert und ist mit 31 Kilo Gewicht nur Haut und Knochen.“ Er versorgte den Vierbeiner mit Erstmaßnahmen, gab ihm eine Wurmkur und eine Injektion gegen den starken Durchfall sowie Spezialfutter, damit der Hund wieder zu Kräften kommt. „Der unterernährte Zustand hätte jedem auffallen müssen“, sagt der Tiermediziner, und bei den Nachbarn sei dies ja auch der Fall gewesen. Ihrer Zivilcourage und ihrem Handeln ist es letztlich zu verdanken, dass der Hund zumindest für den Moment vernünftig untergebracht ist. Wie es nun weitergeht, so heißt es seitens der Polizei, liegt in den Händen des Kreisveterinäramtes.

Von Ines Bräutigam

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