Instrument der Bienenbütteler St. Michaelis-Kirche soll in den Ursprungszustand versetzt werden

„Eine Orgel ist ein Organismus“

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Orgelrevisor Axel Fischer stellt die Furtwängler-Orgel in der Bienenbütteler St. Michaelis-Kirche am Freitag vor. Das Instrument aus dem Jahr 1857 soll für 75 000 Euro saniert werden.

Bienenbüttel. Sie heißen Principal, Terzian oder Spitzflöte: Axel Fischer zieht alle Register. Die Tonfolgen wabern durch die St. Michaelis-Kirche, werden von den Wänden des Gotteshauses zurückgeworfen. Bässe jagen dem Besucher einen Schauer über den Rücken.

Eine Orgel ist wie ein ganzes Orchester mit vielen Stimmen, sagt der Orgelrevisor der Landeskirche. Manche Stimmen klingen wie Streicher, Posaunen oder Blockflöten. Welche Möglichkeiten in dem Instrument stecken, demonstriert der 56-jährige Experte am Freitag, 31. Juli, 19 Uhr bei einem „Orgelporträt“ in der Michaeliskirche Bienenbüttel.

Dabei geht es auch um die geplante Sanierung des Instruments. Bei jeder Taste, die Fischer anschlägt, ist neben dem Ton ein leises Klappern zu vernehmen. Die Pedale kippeln. Außerdem entsprechen die Pfeifen im sogenannten Prospekt, der Schauseite der Orgel, nicht mehr dem Originalzustand.

Während des Ersten Weltkriegs 1917 wurden die Pfeifen ausgebaut und für den Bau von Kanonen eingeschmolzen. Der Ersatz war aus Zink gefertigt. „Dieses Material bringt einen spröden, blechernen, ruppigen Ton“, bedauert der Revisor, der aus Bergen-Dumme angereist ist.

Eine niedrige Holztür – Vorsicht: Kopf senken! – führt ins Innere des Instruments. Hier reihen sich die sprichwörtlichen Orgelpfeifen von filigranen Röhrchen bis zu meterlangen Röhren. Weil die Orgel auf die Empore passen musste, sind einige der großen Holzpfeifen um die Ecke gebaut.

Auch hier ist eine Sanierung nötig: „Der Staub setzt sich in die Pfeifen und verändert die klangliche Anmutung“, erläutert Fischer. Außerdem sollen die Sünden vergangener Jahrzehnte beseitigt werden. So entpuppen sich die modernen Metallbefestigungen als anfällig. Sie werden wieder durch Holz ersetzt. Außerdem wurden im vorigen Jahrhundert – dem Zeitgeschmack entsprechend – Teile der Orgel eine Oktave tiefer versetzt. Sie sollen wieder in ihren Ursprungszustand versetzt werden. „Eine Orgel ist ein Organismus“, sagt Fischer. „In dem Moment, wo etwas herausgebrochen wird, kann das Konzept nicht mehr funktionieren.“

75 000 Euro wird die schon seit 2008 ins Auge gefasste Sanierung kosten. Dreißig Prozent übernimmt in der Regel die Landeskirche, den Rest müsste die Kirchengemeinde durch Spenden aufbringen. Und das lohnt sich, sagt Revisor Fischer: Denn die Bienenbütteler Orgel ist nicht nur die älteste im Landkreis Uelzen – von dem Instrument in der Uelzener Marinenkirche ist nur noch der Prospekt erhalten – es handelt sich auch um ein Instrument aus der berühmten Werkstatt des Elzer Orgelbauers Philipp Furtwängler, der die Pfeifen 1857 vermutlich persönlich vor Ort auf den damals neuen Kirchenraum abgestimmt hat.

Es war die Zeit der Romantik, deshalb gibt es in den 21 Registern viele zarte, warme, einschmeichelnde Töne, erklärt Fischer. Ein Instrument also, das besonders geeignet ist, die Orgelmusik aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufzuführen. Einige Werke der Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy, Josef Rheinberger und Christian Fink wird Fischer am nächsten Freitag spielen.

Von Gerhard Sternitzke

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