Lückenbebauung und gemeinschaftliches Wohnen

Diskussion in Grünhagen über Baugebiete: Grüne suchen Alternativen

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„Neue Baugebiete führen zur Versiegelung, zur Vernutzung von Böden“, erklärt Reinhard Schelle-Grote, der in Grünhagen zusammen mit Rainer Steffens eine Karte mit alten und neuen geplanten Flächen zeigt.

Grünhagen. Eines steht fest: Wo immer neue Baugebiete geplant werden, erhebt sich der Widerstand von Anwohnern, die sich in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt sehen und den Verlust freier Landschaft beklagen.

In der Gemeinde Bienenbüttel richtete sich der Protest gegen die Ausweisung von Flächen zwischen Bienenbüttel und Hohnstorf und zuletzt in Hohenbostel (AZ berichtete). Gleichzeitig setzen Zuzüge aus dem Bereich Lüneburg und Hamburg die Gemeinde unter Druck. Die Bienenbütteler Grünen suchten am Mittwochabend in Grünhagen nach Alternativen zu immer neuen Baugebieten.

„Neue Baugebiete führen zur Versiegelung, zur Vernutzung von Böden“, erklärte Fraktionsvorsitzender Reinhard Schelle-Grote. „Wir wollen neue Baugebiete nicht grundsätzlich verhindern, aber sie sollten eine andere Qualität haben.“ Vor allem will er klären, wo Baulücken genutzt werden können, statt immer neue Flächen in Anspruch zu nehmen.

Rainer Steffens

Referent Rainer Steffens gab Beispiele für solche Alternativen zur herkömmlichen Schlafsiedlung auf der grünen Wiese. „Wir brauchen mehr als Wohnen. Nur ins Auto steigen und fahren reicht nicht“, erklärte der Architekt und Stadtplaner aus Lübeck. Anhand von eigenen Projekten zeigte er, wie man vorhandene Bebauung umwandeln und ergänzen kann. Dabei mischt er hochpreisige und Sozialwohnungen und schafft Begegnungsmöglichkeiten in Innenhöfen, Bewohnercafés oder Gemeinschaftsküchen. Kritisiert wurde aus den Reihen der etwa 25 Teilnehmer, dass sich die vorgestellten Projekte aus dem städtisch geprägten Raum nicht auf eine ländliche Region übertragen lassen. „Wir können an der Situation, wie sie jetzt in Bienenbüttel ist, nichts ändern“, meinte Altbürgermeister Heinz-Günter Waltje. Bienenbüttel habe acht Ortsteile. „Es ist weltfremd, dass da eine gewisse Versorgung mit Geschäften oder Cafés stattfindet.“ Der Bürgerbus sorge aber dafür, dass ältere Bürger aus den Dörfern zum Einkaufen nach Bienenbüttel kämen.

Eckehard Niemann ließ sich dagegen inspirieren und schlug vor, in Bienenbüttel ein Studentenwohnheim zu errichten, um Leben und kreatives Potenzial in den Kernort zu holen. Bienenbüttel solle Mustergemeinde für neue Wohnformen werden. „Wir werden eines der neuen Zentren, wo Ideen geboren und umgesetzt werden.“

So wie jetzt kann es aus Sicht der Teilnehmer jedenfalls nicht weitergehen. „Es wird einfach ein Baugebiet ausgewiesen, und es ist offenbar kein Konzept dahinter“, kritisierte Reiner Stefan aus Hohenbostel. Die Kommunalpolitiker haben dies erkannt und wollen nach der Kommunalwahl einen Arbeitskreis einsetzen, der sich grundsätzlich mit der Baulandentwicklung im gesamten Gemeindegebiet beschäftigt.

Die Grünen haben unterdessen beantragt, die Planungen für Hohenbostel einzustellen. Begründung: Neue Baugebiete müssten gründlich diskutiert werden. „Die betroffenen Bürger müssen an der Planung beteiligt werden.“

Von Gerhard Sternitzke

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