Landwirte und Verbraucher kommen sich beim Tag des offenen Hofes in Bargdorf näher

„Blondi“ ist der Renner

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Hanna Lindwedel, Hendrikje Klamm und Sabrina Bergmann (von links) mixen gemeinsam fruchtige Milchshakes. Am Sonntag besonders beliebt in Bargdorf: „Blondi“, der Pfirsich-Mix.

Bargdorf. Von der Milchkuh zur Rampensau: Im Stall von Landwirt Karl Meyer ist gestern alles möglich. Wo sonst Melken und Misten auf der Tagesordnung steht, klicken zum Tag des offenen Hofes die Smartphone-Kameras im Minutentakt.

So sieht er aus: der Versuch, die Diskrepanz zwischen landwirtschaftlicher Realität und öffentlicher Wahrnehmung zu schließen, von der Kreislandwirt Thorsten Riggert zur Eröffnung spricht. Oder anders: den Menschen zu zeigen, wie der Hofalltag „wirklich ist“.

Nicht immer einfach, wissen die angehenden Hauswirtschafterinnen Hanna Lindwedel und Sabrina Bergmann von der Uelzener Berufsbildenden Schule (BBS) II. Die Talfahrt der Milchpreise nehmen sie zum Anlass, das Sorgenkind der landwirtschaftlichen Produktpalette mit selbstgemachten fruchtigen Milchshakes zu bewerben. „Erdbeeri“, „Banani“ und der heißbegehrte „Blondi“ werden stilecht in schwarz-weiß gefleckten Pappbechern unter die Leute gebracht.

Dass die Milch nicht in der Tüte entsteht und obendrein die Kuh nicht lilafarben ist, wie Julia Prang es schon einmal von einer Verwandten aus Stuttgart zu hören bekam, weiß ihr Sohn Tjark mit fast zwei Jahren schon ziemlich sicher. Der ist gerade dabei, auf Meyers Nachbarhof Giere seine eigenen Pommes aus frischen Kartoffeln zu stanzen.

Johanna Giere hilft ihm dabei – weil das eben so üblich sei, wenn man auf dem Betrieb aufwachse, so die 17-Jährige, die aber auch keinen Hehl aus den Schattenseiten ihres landwirtschaftlichen Hintergrunds macht. Gemeint sind beleidigende Kommentare, die sie und auch Freunde auf dem Schulhof schon mal zu hören bekommen. „Aber ich stehe dem Beruf positiv gegenüber. Wir gehen sogar auf die Leute zu und sagen: ,Wir finden das cool.’“ Man solle nur an all die Kompetenzen denken, die ein Landwirt beherrschen müsse. „Davor sollte man Respekt haben.“

In Bargdorf zeigt sich Besuchern am Wochenende die gesamte Vielfalt des dörflichen Lebens: In Anhängern werden sie zur Biogasanlage gefahren, wo es etwas streng riecht, spätestens nach fünf Minuten dann aber auch jeder weiß, warum. Und in den Wald, wo der „Sonntagsspaziergang“ ja heute nur noch selten hinführe, wie es Kreisjägermeister Heinrich Hellbrügge ausdrückt. Für alle diejenigen, die die Wildnis lieber zwischen dem Kuchenstand der Landfrauen, Pilzpfanne und Kartoffeldruck erleben wollen, kommt ein Besuch im Info-Mobil der Jägerschaft infrage.

Aber nicht nur Tierfans kommen an diesem Tag voll auf ihre Kosten. Der acht Jahre alte Maximilian Willy und sein Großvater – er war selbst einmal Landwirt – begutachten den kleinen blauen Fordson und den modernen, mindestens doppelt so großen Fendt und fachsimpeln. Maximilian Willys Fazit: „Wenn ich mich zwischen denen entscheiden müsste – ich würden den kleinen Blauen nehmen.“ Der habe zwar kein Dach, sei aber sicher wendiger.

Irgendwie kommen sich alle ein Stückchen näher an diesem Tag: Vergangenheit und Zukunft, Mensch und Tier, Produzent und Konsument.

Von Anna Petersen

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