Lüneburger Aufklärer sind für vier Monate in Afrika / Am gefährlichsten sind die Sprengfallen

Blauhelm-Einsatz in der Gluthitze von Mali

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Bundeswehr-Soldaten bei einer Patrouille in der Gluthitze Westafrikas: 180 Aufklärer aus Lüneburg sind jetzt als Blauhelme in Mali stationiert. Die Mission Minusma gilt als die derzeit gefährlichste der Vereinten Nationen.

Lüneburg. Die Hitze ist mörderisch in Gao. Direkt am früheren internationalen Flughafen der Stadt im Norden von Mali sind seit einer Woche 180 Soldaten des Aufklärungslehrbataillons 3 aus Lüneburg stationiert.

Hier in der Sahel-Zone, einer kargen Landschaft mit ein paar Sträuchern, herrschen tagsüber Temperaturen von bis zu 45 Grad. Und der Einsatz in dem westafrikanischen Staat – ein Drehkreuz des internationalen Drogenhandels – gilt als der gefährlichste unter den aktuellen UN-Missionen. Bereits 80 Blauhelme sind ums Leben gekommen.

Kommandoübergabe an Oberstleutnant Michael Hoppstädter im Camp Castor am Rand der Stadt Gao.

„Die größte Bedrohung geht von Sprengfallen und Minen aus“, berichtet Kommandeur Michael Hoppstädter im störungsfreien Telefonat mit der AZ. Verschiedene terroristische Gruppen seien im Land aktiv, darunter Al Kaida im Magreb und weitere islamistische Gruppen. „Diese haben die Unabhängigkeitsbestrebungen in Nord-Mali genutzt, um Fuß zu fassen.“ So wurde das Camp Castor, in dem insgesamt 900 Soldaten untergebracht sind, am 20. September mit Raketen beschossen. Die klimatisierten Container der Blauhelme aus Deutschland und den Niederlanden sind deshalb ebenso gepanzert wie die Fahrzeuge.

Bereits 2013 hat der Bundestag die Beteiligung an der „Multidimensionalen Integrierten Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali“, kurz „Minusma“, beschlossen. Im Januar gaben die Abgeordneten grünes Licht für die Ausweitung des Einsatzes. Mit einem Bundeswehr-Airbus sind die Lüneburger von Köln zur malischen Landeshauptstadt Bamako und weiter nach Gao geflogen. Am 6. Oktober übernahmen nun die Lüneburger das Kommando von Kameraden aus Eutin. Neben der Sicherung des Camps haben sie die Aufgabe, die Lage in Nord-Mali aufzuklären.

Für sie gelten die Regeln wie für alle Blauhelme, erklärt Hoppstädter: „Wir dürfen uns und unsere Kameraden zu jeder Zeit selbst verteidigen.“ Die Bevölkerung sei den Deutschen gegenüber positiv eingestellt. „Die Bundesrepublik war das erste Land, das Mali nach der Unabhängigkeit anerkannt hat, und das weiß die Bevölkerung auch“, berichtet der 41-jährige Oberstleutnant aus Bleckede. „Die Leute lächeln, sie winken, nehmen Kontakt auf.“

Sicherheit hat dennoch oberste Priorität. Deshalb entfernen sich die Lüneburger Aufklärer auf ihren Erkundungstouren nicht weiter als 200 Kilometer vom Lager. Das ist der Radius, den die Rettungshubschrauber benötigen, um Verwundete im Notfall ins Lazarett zu fliegen. Und die Soldaten haben geübt, Gefahrensituationen frühzeitig zu erkennen. Sprengfallen werden häufig an engen Durchfahrten zwischen Häusern, auf Brücken oder in Furten angelegt. „Es gibt immer gewisse Hinweise“, erklärt Hoppstädter: „Ein Kabel, das auf der Straße zu sehen ist, oder frisch aufgeworfene Erde.“

Das alles haben die Lüneburger Soldaten unter anderem auf den Truppenübungsplätzen bei Bergen und Gardelegen in der Altmark trainiert. Neben dem Sturmgewehr G 36, das durch Zielungenauigkeit bei längerem Gebrauch auffiel, haben sie auch das neuere G 27 dabei. „Wir sind wirklich gut ausgerüstet“, betont der Kommandeur.

Auch eine neue Drohne aus israelischer Produktion namens Heron steht zur Verfügung, um das Risiko für die Soldaten zu begrenzen. Laut Hoppstädter hat sie eine Reichweite von 900 Kilometern und kann bis zu 29 Stunden in der Luft bleiben. In den klimatisierten Containern sitzen Piloten der Luftwaffe, die das unbemannte Flugobjekt steuern.

Nur gegen die Hitze können sich die Aufklärer nicht wehren. Für sie heißt es: trinken, trinken, trinken! Die Duschen dürfen nicht länger als zwei Minuten benutzt werden, sonst würde das Wasser nicht ausreichen. „Es bewährt sich, dass wir die Soldaten körperlich robust ausbilden“, sagt Kommandeur Hoppstädter.

Zur 6000 Kilometer entfernten Heimat halten die Soldaten Kontakt. Bis zum Ende des viermonatigen Einsatzes können sie frei telefonieren und das Internet nutzen. Das Risiko wird dabei immer mitschwingen. Kommandeur Hoppstädter sagt: „Meine Frau weiß um die Bedrohung, aber sie steht hinter mir.“

Von Gerhard Sternitzke

Das Aufklärungslehrbataillon 3 aus Lüneburg in Mali

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