Fotograf Ulrich Niehoff zeigt Bienenbüttel in alten Postkarten und aktuellen Bildern

Ein bisschen Nostalgie ist dabei

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Bienenbüttel in Schwarz-Weiß und Farbe: Ulrich Niehoff hat die Motive alter Postkarten von demselben Standort und mit derselben Brennweite fotografiert. Die Gegenüberstellungen zeigen, was geblieben ist von früher und welche Häuser aus dem Ortsbild verschwunden sind.

Bienenbüttel. Nicht alles war früher besser. So hattte der Radfahrer noch in den zwanziger Jahren auf der Bienenbütteler Bahnhofstraße die Wahl zwischen Kopfsteinpflaster und einem Sommerweg. Der aber war im Winter und nach Regen schrecklich zerfahren.

Heute dagegen ist die Einkaufsmeile schick und radfahrerfreundlich gepflastert. Die Schwarz-Weiß-Aufnahme und ein aktuelles Bild sind einander gegenübergestellt im neuen Kalender „Bienenbüttel 2017“, den der Fotograf Ulrich Niehoff aus Steddorf zusammengestellt hat.

Der Fotograf Ulrich Niehoff ist gebürtiger Bienenbütteler.

„Für mich als gebürtigen Bienenbütteler ist es interessant, was früher da war und was ich wiedererkenne“, erzählt der 55-Jährige. Ein Projekt zur 1000-Jahr-Feier des Dorfes, als er eine Ausstellung historischer Fotografien der St. Michaelis-Kirche zusammentrug, brachte Niehoff darauf, alte Postkarten zu sammeln. Inzwischen kann er auf einen stolzen Fundus von mehr als 300 Motiven zurückgreifen.

Das Prinzip des aktuellen, seines dritten Kalenders ist die Gegenüberstellung alter Ansichten von Bienenbüttel mit dem heutigen Erscheinungsbild. „Dabei habe ich versucht, denselben Standort und dieselbe Brennweite zu verwenden, wie der Fotograf damals“, berichtet Niehoff.

Ein bisschen Nostalgie ist auch dabei. Sicher, die Kirche, den Bahnhof, die Gasthäuser – die Wassermühle hieß damal „Zum Bergkrug“ – auch die Kirche erkennt man sofort wieder, obwohl die Aufnahme um das Jahr 1900 noch den alten Kirchturm zeigt. Wer aber genauer vergleicht, erkennt, wie viel dörfliche Bausubstanz verschwunden ist. „Die idyllischen schönen Plätze der Vergangenheit sehen heute leider für mich als Betrachter und Fotografen zum großen Teil unattraktiv aus“, sagt Niehoff. „In den siebziger Jahren hat man wenig Rücksicht auf Denkmalschutz gelegt.“

Das hat ihn schon als Jugendlichen aufgebracht. Damals demonstrierte er mit Gleichgesinnten gegen den Abriss eines Fachwerkhauses. „Es wurde trotzdem abgerissen“, erinnert sich Niehoff.

Mit den alten Bildern sind auch persönliche Erinnerungen verbunden. Wo etwa heute das Rathaus steht, befand sich damals der Kaufmann Rademacher. „Wir Kinder mussten, um zu den Spielwaren zu gelangen, durch die Porzellanabteilung gehen“, erzählt Niehoff. Oder der kleine Pavillon vor dem Bahnhof. „Da wurden Zeitungen und Süßigkeiten verkauft, wahrscheinlich auch Flachmänner“, so Niehoff.

Es wird wohl nicht sein letzter Bienenbüttel-Kalender sein. Niehoff überlegt schon, alte und neue Fotos auch von den Bienenbütteler Ortsteilen zusammenzustellen.

Von Gerhard Sternitzke

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