Rüge von der Richterin

Bienenbütteler Rathausmitarbeiter erhält im Arbeitsgericht recht

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Aufatmen am Freitag im Arbeitsgericht: Rathaus-Mitarbeiter Christoph Fröhlich (links) und Anwalt Dieter Ebert.

stk Lüneburg/Bienenbüttel. Christoph Fröhlich merkte nichts, aber sein Verhalten wurde beobachtet. Der neue Personalsachbearbeiter V. im Bienenbütteler Rathaus hatte ihn seit Juni 2015 im Blick.

„Er sitzt im Büro und hat aufgeschrieben, wann Herr Fröhlich gegangen und wiedergekommen ist, und hat dies mit der Zeiterfassung abgeglichen“, berichtet der Anwalt der Gemeinde, Dr. Rudolf Kiesewetter. Der Fall, der am Freitag vor dem Arbeitsgericht Lüneburg verhandelt wird, ist der Kern des Konflikts im Bienenbütteler Rathaus.

Einen Blick hinter die Rathaus-Mauern wirft AZ-Redakteur Gerhard Sternitzke in seiner Kolumne.

Aus der Belegschaft ist von „Bespitzelung“ und „Stasi-Methoden“ zu hören. Dreimal haben sich Mitarbeiter zur Mahnwache vor dem Rathaus aufgestellt. Bürgermeister Dr. Merlin Franke hat dagegen betont, er müsse „finanziellen Schaden bis hin zum Betrug“ von der Gemeinde abhalten. Diesen beziffert jetzt Anwalt Kiesewetter: 33-mal habe Fröhlich, der im Bauamt und im Bereich EDV tätig war, gegen die Pflicht zum ordnungsgemäßen Aus- und Einstempeln an der Zeiterfassung verstoßen. Dabei habe der 36-Jährige seinen Arbeitgeber um neun Stunden geprellt.

„In drei Jahren hat sich der Kläger nur zweimal ausgestempelt. Das ist systematischer Betrug“, betont der Jurist. „Dadurch ist das Vertrauen des Arbeitgebers erschüttert.“ Seit Ende Februar ist Fröhlich freigestellt.

Sein Anwalt Dieter Ebert weist den Vorwurf des Betrugs zurück. Außerdem seien nur 17 Vergehen dokumentiert, sein Mandant sei dienstlich unterwegs gewesen: „Herr Fröhlich ist seit 19 Jahren bei der Gemeinde Bienenbüttel beschäftigt. Er hat sich nie was zuschulden kommen lassen, und jetzt soll er kalt abserviert werden.“ Bürgermeister Franke berichtet dagegen, der Mitarbeiter habe penibel darauf geachtet, dass ihm auch fünf Minuten Zu-früh-Kommen gutgeschrieben würden.

"Gekränkter Machtmensch?"
Ein Leserbrief aus der AZ.

Ob Fröhlich absichtlich versuchte, einen kleinen Zeitvorteil herauszuschinden, oder ob er einfach nur nachlässig handelte, weil die halbe Stunde Mittagspause ohnehin abgezogen wird, ist für Richterin Charlotte Groschupf nicht entscheidend. Fröhlich sei erst nach Monaten zur Rede gestellt worden. „Herr Franke, Vertrauen ist ja etwas Gegenseitiges“, belehrt sie den Bürgermeister. „Bienenbüttel ist nicht ein so großes Haus, dass Sie sich nicht aus Ihrem Büro hätten begeben können, um mit dem Mitarbeiter über die Sache zu sprechen.“ Die Freistellung oder Kündigung sei aber keine Strafe, sondern Prognose für eine zukünftige Zusammenarbeit. Die Gemeinde wurde deshalb verdonnert, Fröhlich weiter zu beschäftigen.

Franke hat nach eigenem Bekunden erst im November von den Unregelmäßigkeiten erfahren. „Ich wollte mich erst davon überzeugen.“ Er räumt aber ein, dass der Mitarbeiter die „Stempeluhr“ nach einem Gespräch korrekt bedient und auch länger gearbeitet habe.

Von Gerhard Sternitzke

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