Autorinnen-Gruppe „Herland“ liest politische Kriminalliteratur

Bienenbüttel: „Frauen schreiben anders“

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Frauen und Krimis (von links): Verlegerin Else Laudan (Argument Verlag), Ariane Mönche (Argument Verlag), Anne Kuhlmeyer, Anne Goldmann, Doris Gercke, Christine Lehmann.

Bienenbüttel. „Ich kann bei jedem Text sofort erkennen, ob ihn eine Frau oder ein Mann verfasst hat“, sagt Else Laudan.

In der gut besuchten Bienenbütteler Buchhandlung Patz erklärt sie auch warum: „Frauen schreiben anders, haben einen speziell weiblichen Blick auf die Welt, unterscheiden sich in ihrer Wahl von Milieus und Themen und auch in der Zeichnung ihrer Romanfiguren, die bei Autoren meist nicht plausibel motiviert und zweidimensional bleiben.“

Gemeinsam mit diesmal vier Mitstreiterinnen des Netzwerks „Herland“ – benannt nach dem gleichnamigen Roman der US-amerikanischen Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Charlotte Perkins Gilman – präsentierte die Hamburger Lektorin und Verlegerin jetzt neueste Werke der politischen Kriminalliteratur. Dabei stellte die energische Verfechterin des „feministischen Realismus“ die dezidierten Positionen der Gruppe voran: „Wir sind politisch, feministisch, antikapitalistisch, gegen Rechts, gottlos, aufbrechend, erfolgreich und antipatriarchal.“

Wie sich diese klare Kursangabe in der literarischen Produktion niederschlägt, demonstrierten die Autorinnen Anne Kuhlmeyer („Fettes Leben“), Anne Goldmann („Triangel“), Christine Lehmann („Allesfresser“) und natürlich die im Landkreis beheimatete Doris Gercke („Wo es wehtut“, ab 3. September), die als Gastgeberin des dreitägigen Kolloquiums fungierte, mit kurzen Lesungen aus ihren neuen Büchern. Doch wie finden die entschieden gesellschaftskritischen Schriftstellerinnen eigentlich ihre Themen und welche eignen sich als Stoff für einen Kriminalroman?

Während für die „Grande Dame des politischen Krimis“ (NDR), Doris Gercke, die durch ihre Romane um die Ermittlerin Bella Block bekannt wurde, die Neugier auf eine bestimmte Situation oder bestimmte politische Verhältnisse den Impuls auslöst, schöpft die Wienerin Anne Goldmann ihre Sujets aus dem „konkreten täglichen Erleben“. Die heute in der Straffälligenhilfe tätige Sozialarbeiterin hat gelernt, „der glatten Fassade zu misstrauen und dahinter zu schauen: Jede innenpolitische Entscheidung hat auch Konsequenzen im Kleinen.“ Christine Lehmann, die ihre „besten Ideen an der roten Ampel“ hat, stellt sich bei der Themenwahl die Frage, ob der Konflikt stark genug ist, „dass einer stirbt: Denn meistens braucht man eine Leiche.“

Von den Problemen gesellschaftskritischer Autorinnen, ihre politischen Krimis bei den Großverlagen an den Mann zu bringen, berichtet Else Laudan: „Die sagen dann gerne, ‚Schreiben Sie doch lieber was Nettes, Romantisches‘. Dabei können Frauen genauso hart schreiben wie Männer.“

Von Marcus Kieppe

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