Detlef Krohn ist Organisator des Mittelaltermarkts / Seine Familie liebt das Leben als Wikinger

Bienenbüttel: Einladung ins Mittelalter

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Gar nicht so leicht, den Nagel mit der Spitze des Beils zu treffen. Hannes Krohn (12) führt das Spiel vor, das beim Mittelaltermarkt in Bienenbüttel gespielt wird.

Bienenbüttel/Beverbeck. Die Filzmütze setzt Detlef Krohn nicht ab. Im Winter wärmt sie, im Sommer kühlt sie, wenn man den Stoff vorher ins Wasser legt.

Die ganze Familie begeistert sich fürs Mittelalter: Detlef Krohn (54), Ehefrau Sylvia (46) sowie die Söhne Jacob (15) und Hannes (12) gehen in Wikinger-Kluft auf Zeitreise.

Die braune Kopfbedeckung der Wikinger ist das Markenzeichen des Beverbeckers, der in diesem Jahr zum vierten Mal den Mittelaltermarkt in Bienenbüttel organisiert. 86 verschiedene Gruppen mit 250 bis 300 Darstellern erwartet der Marktvogt am Wochenende vom 15. bis 17. Juli. Der 54-Jährige und seine Familie sind dann mittendrin im Markttreiben auf den Ilmenauwiesen.

„Wir sind alle infiziert“, erzählt seine Frau Sylvia (46). Sie trägt das graue Kleid der Wikingerfrau, mit der geklöppelten Borte und bunter Glasperlenkette, die den Reichtum des Mannes anzeigte. Auf die historischen Details achten die Mittelalter-Leute. Die Leinenhemden sind selbst genäht. Dennoch wissen sie die Dixi-Klos zu schätzen, die hinter den Zelten stehen.

Der Markt in Bienenbüttel ist eine Einladung ins Mittelalter. Handwerker, Gaukler und die Schwertkampfgruppe Hartigo lassen das Zeitalter wieder lebendig werden. Auch der öffentliche Badezuber steht wieder in den Ilmenauwiesen. In diesem Jahr hat Krohn viele neue Darsteller engagiert, so die Mittelalter-Rock-Gruppe „Die Vertriebenen“ und die Gruppe „Forum porconica“.

Markenzeichen des „Zeitensprünge“-Markts: die familiäre, weniger kommerzielle Atmosphäre. Am Freitagabend (ab 18 Uhr) können die Besucher das Lager kostenlos besuchen und beim Aufbau zuschauen. Die Darsteller frühstücken morgens gemeinsam.

Mancher Besucher fragt sich erstaunt, warum sich Menschen, die Auto fahren, am Computer arbeiten und mit dem Handy telefonieren, an den Wochenenden in Woll- und Leinenkittel schlüpfen, um eine längst vergangene Zeit wiederzubeleben. „Sobald ich auf dem Platz bin, entschleunige ich. Man schaltet einen Gang runter“, erklärt Sylvia Krohn. „Man fühlt sich anders.“

Hinzu kommt das Gemeinschaftserlebnis, wie ihr Mann berichtet: „Das ist das, was ich mag: Auf dem Mittelalter-Markt ist nicht die Ellenbogen-Gesellschaft. Wenn jemand Hilfe braucht, wird ihm geholfen.“

Auch die Söhne Hannes (12) und Jacob (15) machen mit. Hannes zeigt das Nagelspiel. Mit dem Beil holt der Zwölfjährige aus, aber mit der Schneide ist es schwer, den Nagelkopf zu treffen. Die Erwachsenen spielen das Spiel in der Taverne. Wer den Nagel zuletzt einschlägt, muss eine Runde ausgeben.

Von Gerhard Sternitzke

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