„Anrufen ging nicht“

ab/wb/dpa Varendorf/Christchurch. Und wieder bebte die Erde im neuseeländischen Christchurch: Innerhalb von nur sechs Monaten wurde Neuseelands drittgrößte Stadt von einem Erdbeben heimgesucht. Und wieder bangt der in Varendorf lebende Austauschschüler William Shin um seine Familienangehörigen.

„Ich habe probiert sie anzurufen. Das ging aber nicht“, erklärt der Neuseeländer. Das Internet gab dann Gewissheit: Allen geht es gut. „Ich habe über Facebook mit ihnen gesprochen und Videos gesehen – auch in unserer Straße sieht es echt schlimm aus.“

Seit Juni vergangenen Jahres lebt Shin bei der Familie seines Freundes Nicolai Simon-Hallensleben, den er 2009 in Christchurch kennengelernt hatte. Zusammen spielen beide beim Bezirksligisten MTV Barum Fußball. Beide besuchen die 13. Klasse des Lessing-Gymnasiums und bereiten sich auf das Abitur vor.

Das Beben der Stärke 6,3 erreignete sich am Dienstagmittag um 12.51 Uhr (Ortzeit), als in der Stadt mit knapp 400 000 Einwohner Hochbetrieb herrschte. Bei den Erschütterungen starben bislang mindestens 65 Menschen. „Die Zahl wird wahrscheinlich aber noch steigen“, teilte das Amt für Zivilverteidigung am Dienstagabend (Ortszeit) mit. Der neuseeländische Ministerpräsident John Key sprach vom „schwärzesten Tag in der Geschichte Neuseelands“.

Schon im September 2010 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7,1 die Stadt. Damals gab es Dutzende Verletzte und zwei Todesopfer zu beklagen. Das von Shins Mutter betriebene Restaurant in der Innenstadt wurde stark beschädigt und auch das Wohnhaus der Familie wurde in Mitleidenschaft gezogen. „Letztes Mal waren in der Straße, in der das Restaurant steht nur zwei Häuser kaputt – das Restaurant meiner Mutter war leider eines davon. Dieses Mal war das Beben aber viel schlimmer. Ich bin froh, dass es meinen Eltern und Geschwistern gut geht“, erklärt William, der im März wieder zurück in seine Heimat fliegt.

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