Courtney Martin (26) berichtet im Blog „Welcome to Germerica“ über ihre Erfahrungen

Amerikanerin staunt über Deutsche

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Die amerikanische Studentin Courtney Martin (26) finanziert ihr Masterstudium in Lüneburg mit einem Job als studentische Hilfskraft an der Universität und Nachhilfeunterricht. Nebenbei berichtet sie von ihren Erfahrungen in Deutschland.

Lüneburg. „Andere Länder, andere Sitten“, diese Erfahrung musste auch Courtney Martin machen.

„Würdest du dein dreijähriges Kind zur Tagesbetreuung mitten in den Wald schicken? Selbst mitten im Winter? Die Deutschen tun das“, schreibt die 26-jährige Amerikanerin im Internet über den „Forest-Kindergarten“. Diese und weitere Erfahrungen schreibt sie für ihre Landsleute in ihrem Blog mit dem Titel „Welcome to Germerica“ auf, ein Kunstwort aus Germany und America. Für ihre hervorragenden Studienleistungen und ihr gesellschaftliches Engagement in Form des Blogs wurde Martin am Mittwoch in der Leuphana-Universität Lüneburg mit dem Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) ausgezeichnet.

Komisch, die Deutschen: Schicken ihre Kinder in einen Waldkindergarten. Nachzulesen auf „Welcome to Germerica“.

Das Preisgeld in Höhe von 1000 Euro kann die Masterstudentin, die ihr Studium der Kulturwissenschaften im September mit dem Master abschließen will, gut gebrauchen, denn ihren Aufenthalt finanziert sie selbst – 15 Stunden wöchentlich verdient sie ihr Geld als studentische Hilfskraft an der Universität. Zusätzlich gibt sie Englisch-Nachhilfe. Umso mehr staunt sie über die deutschen Studenten, die nur in 40 Prozent der Fälle das Studium in der Regelstudienzeit abschließen. Umso mehr warnt Courtney junge Amerikaner: „Kostenloses Studium heißt nicht kostenloses Leben.“

Angefangenen hat die Bloggerin vor drei Jahren mit harmlosen Bildern und Notizen für Familie und Freunde. „Aber dann habe ich gemerkt, dass es im Internet wenig über das Studium in Deutschland gibt“, erzählt sie der AZ. Seitdem notiert sie in lockerer Folge und mit einer Prise Humor eigene Erfahrungen, die für andere amerikanische Studenten nützlich sein könnten.

Etwa dass die Aufenthaltserlaubnis nur für ein Jahr gilt und – selbstverständlich kostenpflichtig – verlängert werden muss. Ihre Begegnung mit deutscher „Bürokratie“ – das Wort schreibt Courtney auf Deutsch – schildert Courtney ausführlich. In der „Ausländerbehörde“ müsse man persönlich erscheinen und warten, um zu erfahren, dass für die Verlängerung ein neues Passbild nötig ist.

Ähnliche Erfahrungen bei der deutschen Post: Mal waren die Weihnachtskarten für die Lieben in den USA für die Sortiermaschinen zu klein, ein anderes mal zu groß. Courtneys Fazit: „Was die Deutschen unter einem Standardformat verstehen, ist sehr speziell.“

Sei gewarnt – die Deutschen lieben Sonderangebote.

Von der Bloggerin erfahren amerikanische Studenten auch, wie man das Geld zusammenhält. Etwa durch den Einkauf in Geschäften, die von den Deutschen „Discounter“ genannt werden, und den Blick auf die Angebotszettel. In diesem Zusammenhang macht die Bloggerin auf ein besonderes Phänomen aufmerksam: „Sei gewarnt – die Deutschen lieben Sonderangebote, und wenn ab Montag Bettlaken im Angebot sind, dann werden sie meist am Montagnachmittag verkauft sein.“ Gut aber, dass sich die Amerikanerin bei einem zweiwöchigem Heimaturlaub wieder mit allem Nötigen eindecken kann, darunter die geliebte Erdnussbutter. „Oh, wie ich wünsche, dass sie diese in Deutschland verkaufen!“

An Lüneburg liebt Courtney Martin die Möglichkeit, Geschäfte und Kneipen zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erreichen – ein in ihrer Heimatstadt Chicago unbekanntes Phänomen. Ihr deutscher Freund Marco wies sie in die Geheimnisse des Fahrens mit Schaltgetriebe ein. Nach dem Studium will Courtney in Deutschland bleiben. Mit weiteren merkwürdigen Beobachtungen mit dem fremden Blick ist also zu rechnen.

Von Gerhard Sternitzke

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