PCs in allen Klassen

Wie und wo finde ich was im Internet? Rektorin Gudrun Boldhaus sieht einer Schülerin über die Schulter.

Bienenbüttel - Von Ines Bräutigam. „Am liebsten guck ich mir Trecker-Seiten an“, erklärt Maik Schoer. Spricht’s, gibt fix den Herstellernamen „Fendt“ in die Suchmaschine ein und vertieft sich in die Materie der Frontlader und Schlepper. Auf die bewundernde Bemerkung hin, er habe ja ganz schön schnell gefunden, wonach er gesucht habe, winkt der zehnjährige Steppke ab: „Ach, da findet man noch viel mehr…“

Der Umgang mit dem Computer gehört für die Schüler der Bienenbütteler Grundschule mittlerweile zum Schulalltag. Mit Mitteln aus dem Konjunkturpaket II der Landesregierung konnte die Schule jetzt mit einem Server und Netzwerk ausgestattet werden, das für alle zwölf Klassenräume einen internetfähigen Computeranschluss ermöglicht. Das EDV-Konzept wurde von Lehrer Frank Corleis entwickelt und wird nun nach und nach ausgebaut.

Rund 15 000 Euro wurden in das Schulnetzwerk investiert, 9900 Euro davon trägt das Land, den Rest die Gemeinde Bienenbüttel als Schulträgerin. Und das Geld ist, so sind sich alle Beteiligten einig, gut angelegt. Denn anders als noch vor zehn Jahren, als die ersten Computer unter argwöhnischen Blicken von Eltern und Lehrerschaft in die Schule Einzug hielten, gehört das Arbeiten am PC heute ganz selbstverständlich dazu. Auch an der Grundschule.

Und gerade dort, wie Bienenbüttels Rektorin Gudrun Boldhaus betont. „Es ist Aufgabe der Schule, hier Kompetenzen zu vermitteln und den Kindern die Möglichkeit zu geben, in einem geschützten Raum Erfahrungen mit dem Medium Internet zu machen.“

Frank Corleis weiß, dass auch Grundschüler schon zu Hause teils umfangreiche Begegnungen mit dem weltweiten Netz haben. So gibt es nicht wenige Schüler – vor allem Mädchen – die auch schon gechattet haben. Und denen müsse frühestmöglich beigebracht werden, dass ihr virtuelles Gegenüber nicht unbedingt ein Gleichaltriger sein muss – obwohl es sich als solcher ausgeben mag.

„Zu Hause sitzen die Kinder meist allein vor dem Bildschirm“, sagt der Pädagoge. Anders im Unterricht: Gemeinsam werden Informationen zu bestimmten Themen recherchiert, jeder lernt vom anderen. Die Computer seien für manche Schüler auch Motivation für die Arbeit, weiß Gudrun Boldhaus. „Die Schüler bereichern sich da gegenseitig.“

Während der Computer zu Hause eher zum Spielen genutzt wird – auch Maik Schoer und sein Mitschüler Viktor Maier sind inzwischen bei einem unterhaltsamen Trecker-Rennen angekommen – ist er in der Schule ausschließlich Arbeitsmittel, wie Frank Corleis betont. So werden bereits in den zweiten Klassen der Bienenbütteler Grundschule Schüler zu PC-Experten ausgebildet, die den anderen den Umgang mit dem Rechner erklären können.

In der dritten Klasse machen die Schüler einen PC-Führerschein, und Dritt- und Viertklässler der Schülerfirma produzieren regelmäßig am PC eine Schülerzeitung und wer Stoff für ein Referat braucht, schlägt kaum noch in Büchern nach, sondern setzt sich gleich an den PC. Spezielle Konfigurationen sorgen dafür, dass die Schüler nur auf für sie geeignete Internetseiten Zugriff haben.

Gudrun Boldhaus legt allerdings Wert darauf, dass die Arbeit am PC nicht die klassische Schularbeit ersetzt. „Das eine schließt das andere nicht aus“, sagt sie. Grundschüler müssten heutzutage genauso lernen, mit dem Füller umzugehen wie mit dem Computer. Und die Kinder sollen auch weiterhin im Fluss nach Wasserflöhen fischen oder in der Sandkiste buddeln, um mit allen Sinnen Erfahrungen zu machen. Aber ohne Computer geht es inzwischen auch in der Grundschule nicht mehr.

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