Bienenbütteler Anwohnerin kritisiert Fällung von Bäumen / Nachpflanzung abgelehnt

Ärger über Kahlschlag an der Bahn

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Silke Meusel ärgert sich, dass die Bäume an der Georgstraße gefällt wurden. Für die Anwohner seien diese Lärm- und Sichtschutz in einem gewesen, erklärt die 60-jährige Bienenbüttelerin.

Bienenbüttel. Alle drei Minuten, so oft rauschen die Züge durch Bienenbüttel. Mit dem Lärm und den Erschütterungen müssen die Anwohner trotz Lärmschutzwänden leben. Wer kann, verlegt die Wohnräume in den hinteren Bereich des Hauses, so wie Silke Meusel.

Umso mehr ärgert es die 60-jährige Bienenbüttelerin, dass im Sommer die Bäume an der Georgstraße abgeholzt wurden. Ihrem Ärger machte sie jetzt auch in der Bürgerfragestunde des Gemeinderats Luft.

„Ich verstehe nicht, dass man das so abholzen kann“, kritisiert die kaufmännische Angestellte. „Da ist für uns ein erheblicher Sicht- und Lärmschutz abhanden gekommen.“ Hier hätten viele Vögel genistet, und nebenbei seien auch die Autos auf der Georgstraße langsamer gefahren. Insgesamt 80 abgesägte Stämme zählt die Anwohnerin. „Ratzekahl alles weg!“, beklagt sie. Die wild aufgewachsenen Espen und Robinien hätten mit ihrem Laub spürbar Lärm abgefangen. Man hätte sie auch zurückstutzen können, findet Silke Meusel. Nun geht der Blick aus ihrem Haus direkt auf die triste Lärmschutzwand.

„In den letzten Jahren wurden seitens der Bahn Baumpflegearbeiten nicht durchgeführt“, berichtet Bürgermeister Dr. Merlin Franke. Gemeindemitarbeiter hätten deshalb mehrfach die Straße freischneiden müssen, obwohl der Wildwuchs auf dem Land der Bahn gestanden hätte. Bei einem gemeinsamen Ortstermin habe man sich geeinigt, die Bäume zu entfernen.

Auf einen Beschwerdebrief von Silke Meusel hat Bauamtsleiterin Inga Heitmann nach Frankes Worten der Bahn vorgeschlagen, eine schnell wachsende Hecke an der Straße zu pflanzen, um den Anwohnern entgegenzukommen.

Das wird jedoch nicht passieren. „Im Juli dieses Jahres gab es einen Ortstermin zwischen DB AG und Gemeinde. Hier gab es die Einigung, dass die Pappeln gefällt werden“, teilt Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis knapp auf AZ-Nachfrage mit und stellt klar: „Eine Nachbepflanzung erfolgt nicht.“

Im übrigen verweist er auf das Gesamtkonzept Vegetationsmanagement der Bahn. Dort ist genau festgelegt, wo und wie Bäume zurückgeschnitten werden. Demnach unterscheidet das staatseigene Unternehmen zwischen einer Rückschnittzone mindestens sechs Meter von der Gleismitte und einer Stabilisierungszone. In der Rückschnittzone sollen Bäume und Pflanzen in der Regel einmal im Jahr zurückgeschnitten werden, damit Signale und Oberleitungen nicht zuwachsen. In der Stabilisierungszone werden die Bäume auf ihre Standsicherheit kontrolliert und nur entnommen, wenn sie tatsächlich umsturzgefährdet sind. Heimische Baumarten sollen dabei gefördert werden, weil sie für eine stabile Waldstruktur sorgen und zur Bodenstabilität beitragen, heißt es in einer Presseinformation. Tatsächlich sind drei Eichen an der Georgstraße stehen geblieben.

Von Gerhard Sternitzke

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