Bestehen in Zeiten des Schwundes

Von Thomas Mitzlaff - Es ist eine der größten Aufgaben, wenn nicht sogar die wichtigste für die Stadt Uelzen, in den nächsten Jahren eine möglichst attraktivere Innenstadt zu schaffen und zu erhalten. Die Bevölkerung in diesem Landkreis wird nach Prognosen bis ins Jahr 2028 von heute 95 000 auf rund 76 000 zurückgehen. Man muss kein Prophet sein, umzu erkennen, dass in den ländlichen Kreisstrukturen bis dahin kaum ein Stein auf dem anderen bleiben wird, dass Landkreise zerlegt und den Metropolen zugeschlagen werden. Umso wichtiger ist es, Stärke mit einer Kreisstadt zu zeigen, sie zu einem Zugpferd zu gestalten, das auch landespolitischen Stürmen trotzen kann.

Die Diskussion, wie Uelzen attraktiver wird, ist indes schon ebenso lang wie unergiebig. Derzeit ist mal wieder im Gespräch, die Fußgängerzone auszuweiten. Dazu werden Bäume gepflanzt. Hübsch anzusehen ist das sicher. Doch es ist Stückwerk und greift zu kurz. Die von überörtlichen Immobilienexperten in dieser Woche getroffene Aussage, man müsse konsequent die Top 1a-Lage in der Innenstadt, die derzeit nur aus einem Teil der Fußgängerzone besteht, erweitern, um auch große Filialisten als Zugpferde in die Stadt zu holen, ist ein wichtiger Ansatz.

Eine solche grundlegende strategische Aufgabe wie die Entwicklung eines Gesamtkonzeptes für die Innenstadt kann (ehrenamtliche) Kommunalpolitik nicht leisten und auch für die städtische Verwaltung dürfte so ein Projekt eine Nummer zu groß sein. Vielerorts wird viel Geld für unnütze und teure Gutachten verpulvert – doch hier wäre es richtig und wichtig, externe Experten zu beauftragen, die Perspektiven aufzeigen. Auch solche, die für manch heimischen Geschäftsmann zunächst unangenehm sein dürften. Denn mit dem Hinweis, dass Konkurrenz nicht willkommen sei, wurde schon einiges verhindert in dieser Stadt – sicher nicht zu ihrem Wohle. Konkurrenz belebt und holt die Kundschaft in die Stadt. Und die Ausweitung der Top 1a-Lage ist ein wesentlicher Baustein, um auch die zugkräftigen Ketten, ohne die es nicht geht, nach Uelzen zu holen. Stattdessen im Eingangsbereich dieser Top 1a-Lage, im Alten Rathaus, die Kreisvolkshochschule einziehen zu lassen, ist ein Plan, der auch Monate nach dem Bekanntwerden noch immer sprachlos macht.

Thomas.Mitzlaff@cbeckers.de

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