B 189 sei die bessere Variante

Peter Pez, Professor für Geographie und Verkehr an der Universität Lüneburg. Foto: Kuhn

mck Stendal. Ein Plus an Arbeitsplätzen dank Autobahn, dieser Hoffnung erteilt Professor Peter Pez, Universität Lüneburg, eine Absage. Während einer Veranstaltung von A14-Gegnern stellt er in Stendal wissenschaftliche Untersuchungen vor, die diese Theorie widerlegen würden, spricht sich für den Ausbau der B189 aus.

"Schaffen Autobahnen Arbeitsplätze?" Angesichts des geplanten Baus der A14 durch die Altmark eine Frage, die Befürworter der Autobahn und Befürworter des Ausbaus der Bundesstraße 189 entzweit. Ob Autobahnen wirklich Arbeitsplätze schaffen, diese Frage versucht Montagabend Professor Peter Pez, Universität Lüneburg, im Stendaler Rathaussaal zu beantworten. Rund 70 Interessierte folgen der Einladung der Organisatoren, bestehend aus Aktionsbündnis "Ausbau B189 – Alternative zur A14" und Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND), in die Rolandstadt.Gut eine Stunde analysiert der Inhaber des Lehrstuhls für Geographie und Verkehr die Auswirkungen des geplanten Autobahnbaus und konzentriert sich dabei auf drei Aspekte: Ökonomie, Verkehr, Umwelt. Dabei kommt der Wissenschaftler zum Schluss, dass der Bau der A14, ebenso wie der Bau der A39, kaum Vorteile für die Regionen bringe. Unstrittig seien die Umweltbelastungen durch Trassenführung und später durch Lärm und Abgase. Auf der Gegenseite stehe die Zeitersparnis, um im Fernverkehr Ziele zu erreichen. Pez stellt Zahlen gegenüber. Derzeit werde für die Strecke Schwerin-Magdeburg, über B106/5/189, für die 168 Kilometer lange Strecke eine Fahrzeit für Pkw (60 Studenkilometer)von 2,48 Stunden benötigt, Lkw (55 Stundenkilometer) bewältigen diese Strecke in 3,03 Stunden. Mit der A14 verkürze sich die Distanz auf 154 Kilometer. Pkw (120 Stundenkilometer) legen diese Strecke dann in 1,17 Stunden zurück (Zeitersparnis von 54 Prozent), Lkw benötigen für diese Distanz bei 80 Stundenkilometern 1,55 Stunden (Zeitersparnis von 37 Prozent). Werte, die für die Fernstraße sprechen würden, so der Wissenschaftler. Doch zeigt er eine Alternative auf: den Ausbau der Bundesstraßen nach dem so genannten 2+1-Schema (je Fahrtrichtung ein Fahrstreifen mit sich je Richtung abwechselnder Überholspur) in Verbindung mit dem Schaffen von Ortsumgehungen. Daraus berechnet er bei einer Strecke von 168 Kilometern eine Fahrzeit für Pkw von 1,52 Stunden (90 Stundenkilometer/Zeitersparnis von 33 Prozent) und für Lkw 2,29 Stunden (70 Stundenkilometer/Zeitersparnis 21 Prozent). Im Vergleich zu den Kosten sei aus seiner Sicht der Ausbau der Bundesstraße die ökonomischere Variante.Und schaffen Autobahnen nun Arbeitsplätze? Pez verneint dies, stützt sich dabei auf zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen, die dieses politische Argument bisher nicht nachgewiesen hätten. Und er verweist darauf, dass bereits seit 28 Jahren unter Wissenschaftlern dies bekannt sei, aber die Politik es bis heute "ignoriert" hat. Vielmehr sei der Verkehrswegebau "ein Dogma" der Politik, das "nicht mehr hinterfragt werde". Gestützt auf die wissenschaftlichen Untersuchungen führt Pez weiter aus, dass es nur sehr geringe positive Effekte für die regionale Wirtschaft geben werde, dem gegenüber aber auch Effekte stehen, die das lokale Wirtschaftsgefüge negativ beeinträchtigen können. Aus seiner Sicht sei daher das Argument "Autobahnen schaffen Arbeitsplätze" für die Bundesrepublik Deutschland nicht mehr anwendbar. Als weitere Begründung führt er die bereits gut ausgebaute Infrastruktur an. Neue Autobahnen führten eher zu einer Verlagerung der Verkehrsströme, würden aber selten für ein merkliches Plus an Neuansiedlungen entlang der Trassen führen.Diese These hätte heute noch Bestand, werde der Blick Richtung Osteuropa gerichtet, meint der Professor. Dort sei die Infrastruktur noch so gering entwickelt, dass das Schaffen von Autobahnen auch zu neuen Ansiedlungen führen werde.Trotz steigender Spritpreise gehe der Wissenschaftler davon aus, dass auch der Güterverkehr weiter ansteigen werde. Und er bemängelt die einseitige Sicht der Politik beim Lösen dieser Aufgabe, vermisst das Prüfen von Alternativen, wie Eisenbahn oder Binnenschifffahrt. Für die A14 hätte auch als Alternative der Ausbau des Schienenverkehrs durch die Politik geprüft werden können, so Pez.Der Professor gehe davon aus, dass die A14 gebaut werde, da dies politisch motiviert sei, sieht keine Chance für Alternativen.

Erschienen: 02.07.2008: sdl / amz / Seite:2

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