Benjamin Monferat alias Stephan M. Rother legt neuen Roman „Der Turm der Welt“ vor

„Zukunft war früher aufregender“

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Benjamin Monferat faszinieren handfeste Innovationen mehr als digitale Erfindungen.

Bad Bodenteich. Plakate an Bahnhöfen, Leserunden im Internet, eine Präsentation auf der kommenden Frankfurter Buchmesse – der Werbe-Aufwand verdeutlicht, welchen Stellenwert das neueste Buch von Benjamin Monferat für seinen Verlag Wunderlich (Rowohlt) hat.

Der in Bad Bodenteich wohnende Autor hat am gestrigen Freitag seinen Roman „Der Turm der Welt“ veröffentlicht. Es soll wieder ein Publikumserfolg dabei herauskommen.

Dass hinter dem Pseudonym der gebürtige Wittinger Stephan M. Rother steht, ist längst kein Geheimnis mehr. Mit dem „Turm“ folgt nach „Welt in Flammen“ nun sein zweites Monferat-Werk. Ging es beim Erstling um die letzte Fahrt des Orient-Express, der Paris 1940 vor dem Heranrücken deutscher Truppen verlässt, so führt der neue Roman den Leser wieder in die französische Hauptstadt – etwas mehr als 50 Jahre früher. „Thematisch gibt es keinen inneren Zusammenhang“, verrät Monferat. „Aber der rote Faden sind Paris und das Schicksal Europas und der Welt.“

Es steht also wieder viel auf dem Spiel, in diesem Jahr 1889, als die französische Metropole zur Weltausstellung lädt, und als der Globus über den neuen Eiffelturm staunt. Das politische Gleichgewicht zwischen den Mächten ist in dieser Zeit fein austariert – doch diese fragile Balance der Kräfte wäre dahin, wenn es einem Lager gelänge, in den Besitz einer neuen Riesen-Waffe zu kommen ...

Monferat lässt den Leser eintauchen in den Welt-Event einer Epoche, bei dem etwa Gottlieb Daimler sein erstes Auto präsentiert und Thomas Edison ein neues Gerät zur Aufzeichnung von Klängen und Sprache mit über den großen Teich bringt. „Das war für die Menschen damals alles unglaublich“, sagt der Autor – und diagnostiziert beim Vergleich mit der Gegenwart: „Die Zukunft war früher irgendwie aufregender.“

Trotz reihenweise neuer digitaler Erfindungen? „Die Innovationen waren seinerzeit für alle nachvollziehbar“, meint Monferat alias Rother, der sich für den innovativen Geist eines Jules Verne – ein Kind des 19. Jahrhunderts – begeistern kann. „Wir sind inzwischen skeptischer geworden, und das auch zu recht.“ Und mit Blick auf aktuelle weltpolitische Verwerfungen fragt er sich, ob hinter seinem Thema nicht unbewusst vielleicht auch die „Sehnsucht nach einer Vergangenheit im Gleichgewicht“ steckt.

In erster Linie aber feiert das Buch den Optimismus einer längst vergangenen Zeit – und treibt gleichzeitig mit kriminalistischer Spannung einem buchstäblichen Höhepunkt an der Spitze des Eiffelturms entgegen, der alles verändern könnte.

Bei einer Leserunde im Internet (lovelybooks.de) erhält das Buch bereits hervorragende Resonanz – ein erster Lohn für 16 Monate Arbeit, die für Rother von den Terroranschlägen in Paris in besonderem Maße überschattet waren.

Mit einer Parabel auf die aktuelle Politik hat das Buch dennoch freilich nichts zu tun, so der Bodenteicher Autor. Auch wenn es eine kleine ironische Volte bietet, die alle Brexit-Diskutanten interessieren dürfte: Mit dem jungen Basil Fitz-Edwards taucht dann doch noch eine Figur aus der „Welt in Flammen“ wieder auf. Und der Brite gibt hier den überzeugten Europäer.

Von Holger Boden

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