DRK ist startbereit: Heute werden in der Bodenteicher Notunterkunft die ersten Flüchtlinge erwartet

180 Zimmer und ein Waschsalon

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Daniel Muhsik, Leiter der DRK-Notunterkunft, zeigt eines der stabilen Doppelstockbetten, die in den Wohngebäuden auf dem Bad Bodenteicher Gelände errichtet wurden.

Bad Bodenteich. Eine Tür mit der Aufschrift „Gruppenführer“, ein vergilbtes Poster mit Fotos vom Polizeisport, dazu das Schild „Waffenwerkstatt“ am Eingang eines Gebäudes:

Auf dem ehemaligen Kasernengelände in Bad Bodenteich deutet noch immer einiges auf den früheren Nutzer, den Bundesgrenzschutz, hin. Doch die Zeiten haben sich geändert: Am heutigen Freitag werden dort die ersten Flüchtlinge in der DRK-Notunterkunft erwartet.

Auch einen Kindergarten gibt es.

„Wir rechnen heute, am Sonnabend und am Sonntag mit jeweils rund 250 Personen“, sagt Meike Karolat, Pressesprecherin des DRK-Kreisverbandes Uelzen, beim gestrigen Rundgang über das 25 Hektar große Gelände. Für die Neuankömmlinge stehen 180 Schlafräume in sieben Gebäuden bereit. In jedem Zimmer gibt es mindestens zwei Doppelstockbetten, auf den Fluren zudem Duschen und Toiletten. Das DRK fiebere der Ankunft der Menschen entgegen, verrät Karolat. „Es herrscht eine gespannte Aufregung. Aber alle sind sich sicher: Wir werden das hinkriegen.“

Gestern wird auf dem Areal noch fleißig gearbeitet. Mehr als 100 Kräfte des Technischen Hilfswerks bauen die letzten Betten auf, die Mitarbeiterinnen der Kleiderkammer räumen Wäsche in die Regale ein, Handwerker errichten Brandschutztüren. An vielen Stellen riecht es nach Farbe.

Wenn die Flüchtlinge heute mit Bussen eintreffen, ist die frühere BGS-Sporthalle ihre erste Anlaufstation. „Dort bekommen sie Verpflegung, danach werden sie gruppenweise zur internen Registrierung und zur Erstuntersuchung gebracht und erhalten ihre Camp-Ausweise“, erklärt Karolat. Mindestens 60 ehrenamtliche DRK-Kräfte helfen bei diesen Aufgaben. „Außerdem werden wir 50 hauptamtliche Mitarbeiter für das Camp einstellen“, kündigt sie an.

In sechs BGS-Hundertschaftsgebäuden werden jeweils 85 bis 100 Menschen einziehen. „Wir wollen dort Familien unterbringen“, sagt Daniel Muhsik, Leiter der Unterkunft. Weitere 168 Flüchtlinge – allein reisende Männer – sollen das imposante Stabsgebäude beziehen. „Wir nennen es ,das große Herrenhaus‘“, verrät Muhsik schmunzelnd.

Noch stehen die Geräte kreuz und quer, doch schon bald können die Flüchtlinge ihren Fitnessraum nutzen.

Erkrankte Bewohner werden in der Sanitätsstation versorgt. Zudem steht zur körperlichen Ertüchtigung ein eigener Fitnessraum zur Verfügung. „Von einer Physiotherapie-Praxis haben wir 25 gebrauchte Fitnessgeräte gekauft“, erzählt Muhsik. Auch die ehemalige BGS-Halle kann für sportliche Aktivitäten genutzt werden. „Ich kenne im Landkreis Uelzen keine Halle, die so gut aussieht wie diese. Das ist wirklich ein Traum“, schwärmt der Camp-Leiter. Darüber hinaus gibt es auf dem Gelände zehn Waschmaschinen und zehn Trockner, einen Kindergarten und einen Frisörsalon, in dem sich die Bewohner gegenseitig die Haare schneiden können.

Die 750 Personen, die bis Sonntagabend ankommen, sind nur der erste Schritt. In fünf weiteren Gebäuden gebe es Platz für noch einmal rund 300 Bewohner, sagt Muhsik. Ihren Einzug erwartet er „vielleicht noch vor Weihnachten“.

Von Bernd Schossadowski

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