Prozess gegen mutmaßliche Spielothek-Räuber von Bodenteich: Angeklagter soll Eheringe versetzt haben

Das zähe Ringen um die Wahrheit

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Dem 21-jährigen Angeklagten (rechts), hier mit seinem Anwalt Volker König, wirft die Staatsanwaltschaft vor, zusammen mit einem Komplizen eine Spielothek überfallen zu haben.

Lüneburg/Bad Bodenteich. Im Prozess gegen die beiden 21 und 22 Jahre alten mutmaßlichen Räuber der Bad Bodenteicher Spielothek und Einbrecher in die Sportanlagen Lüder und Ostedt hat das zähe Ringen um die Wahrheit begonnen.

Seit gestern geht es vor dem Lüneburger Landgericht um Details der Taten, die im Frühjahr 2014 verübt worden waren. So versuchten die Prozessbeteiligten mit weiteren Zeugen zu belegen, dass der zweite Angeklagte von seinem Komplizen zur Tat gezwungen worden war.

„Ich habe ihm gesagt, er soll nicht zahlen“, erzählte ein Zeuge. Er habe miterlebt, wie der 21-jährige Angeklagte Geld von seinem eigenen Konto geholt habe, um es jemandem zu geben, der ihn bedroht habe. „Wenn du einmal zahlst, kommen die immer wieder“, habe der Zeuge den Angeklagten damals ermahnt, ohne zu wissen, an welche Person das Geld weitergegeben worden war.

Ein zweiter Zeuge aus diesem Umfeld bestätigte, er habe den Angeklagten in seiner Wohnung aufgenommen und ihm öfter Geld geliehen, dieses aber immer, wenn auch in Raten, zurückerhalten. „Bis ich hörte, dass er spielsüchtig ist, dann wollte ich ihm kein Geld mehr geben“, sagte der Zeuge aus.

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Der mutmaßliche Erpresser habe seit seiner Jugend eine pathologische Gewinnspielsucht entwickelt, hieß es in der gestrigen Verhandlung. Das könnte den Mann in ein strafmilderndes Licht rücken. Dazu wurde dessen Mutter befragt, die den Werdegang der Sucht beschrieb. „Es war schlimm, als wir bemerkten, dass er nach und nach Wertsachen aus der Familienwohnung versetzt hatte“, erzählte sie. „Aber das Schlimmste war, als wir hörten, dass er sogar bei Oma und Opa die Eheringe gestohlen hatte.“

Ihrem Sohn sei nichts mehr wichtig gewesen, sein ganzes Leben habe sich nur noch auf das Spielen konzentriert. „Wir haben ihn dann nicht mehr in die Wohnung gelassen und ihm einen Raum im Keller eingerichtet, bis auch die Bohrmaschine weg war“, berichtete die Mutter des 21-Jährigen.

Gesicherte Anhaltspunkte für Schuldunfähigkeit vermochte Psychiater Jürgen Lotze jedoch nicht zu erkennen. Er könne aber nicht ganz ausschließen, dass der Angeklagte wegen seiner Spielsucht – bei zwar voller Einsichtsfähigkeit – mit eingeschränkter Steuerungsfähigkeit gehandelt habe. Allerdings unterschied der Psychiater zwischen den Ein-bruchstaten und dem Raub in der Spielothek. Wenn die Erpressungsvariante stimme, müsse man schon wegen der planvollen Herangehensweise den Vollbesitz der Steuerungsfähigkeit voraussetzen, sagte Lotze.

Bei den anderen Tatvorwürfen habe der Angeklagte hingegen wesentlich weniger Tatbeiträge ausführen müssen, um an das Geld zur Befriedigung seiner Spielsucht zu kommen. Weder Staatsanwalt noch Verteidiger und Richter konnten dieser Auffassung jedoch auf Anhieb folgen.

Der Prozess wird am kommenden Freitag, 19. Dezember, vor dem Landgericht Lüneburg fortgesetzt.

Von Angelika Jansen

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