Jährliches Defizit zu hoch / Politiker aus dem Südkreis schließen die Möglichkeit nicht mehr aus

Wird das Waldbad Bodenteich privatisiert?

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Das Defizit des Bodenteicher Waldbades überschreitet Jahr für Jahr die Grenze von 80.000 Euro. Nun hat bei Politikern aus der Samtgemeinde Aue offenbar ein Umdenken eingesetzt.

bs Bad Bodenteich. Eigentlich hat sich die Samtgemeinde Aue im Zukunftsvertrag mit dem Land verpflichtet, das jährliche Defizit des Bodenteicher Waldbades auf 80. 000 Euro zu begrenzen. Doch Jahr für Jahr wird diese Vorgabe nicht eingehalten.

2015 betrug das Minus rund 138 .000 Euro, im Jahr davor waren es 110.000 Euro. Jetzt hat bei Politikern aus der Samtgemeinde offenbar ein Umdenken eingesetzt. Die Forderung, den Zuschussbedarf von 80.000 Euro nicht mehr zu überschreiten oder als Alternative das Waldbad zu privatisieren, findet immer mehr Anhänger.

„Wir müssen von den Kosten herunterkommen“, sagt Max Lemm, Sprecher der CDU/WGA-Gruppe im Samtgemeinderat. Er verweist auf die vertragliche Verpflichtung der Samtgemeinde. „Wir fordern seit fünf Jahren eine Deckelung des Fehlbetrages“, betont Andreas Dobslaw, Sprecher der SPD/Dr. Hintze/Grünen-Gruppe. Von der CDU als stärkster Fraktion erwarte er nun konkrete Vorschläge, wie dieses Ziel erreicht werden kann, so Dobslaw. Für Lemm ist unterdessen klar: „Im letzten Schritt, wenn es gar nicht anders geht, müssen wir über eine Privatisierung des Waldbades nachdenken.“

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Kurze Saison oder privater Trägerverein?

Zur Zukunft des Waldbades Bodenteich kursieren erste Ideen.

Egal ob im Sonnenschein oder bei bedecktem Himmel: Dieter Jeß war während der Badesaison jeden Morgen beim Frühschwimmen im Bodenteicher Waldbad. Dem ehemaligen Vorsitzenden der DRLG-Ortsgruppe ist das Freibad seit Jahrzehnten ans Herz gewachsen. Deshalb wünscht er sich auch, dass es trotz eines weiterhin hohen Defizits langfristig erhalten bleibt. Jetzt hat sich Jeß an die Verwaltung der Samtgemeinde Aue gewandt.

Der Bodenteicher hat Vergleichszahlen zu den Kosten der kommunalen Freibäder in Rosche und Wittingen zusammengetragen und diese an Samtgemeindebürgermeister Harald Benecke übermittelt. Dabei zeigt sich, dass das Waldbad mit einem Vorjahres-Defizit von rund 138 000 Euro in der Mitte liegt. „Rosche ist etwas günstiger, Wittingen ist etwas teurer“, schildert Jeß.

Er sieht zwei Möglichkeiten, wie der jährliche Zuschussbedarf, wie von der Samtgemeinde vorgegeben, auf 80 000 Euro begrenzt werden kann. Eine Option wäre, die täglichen Öffnungszeiten oder die Dauer der Badesaison zu verkürzen, um Personalkosten zu sparen. Die Alternative wäre laut Jeß, das Waldbad nach dem Vorbild von Wieren und Stadensen einem privaten Verein zu übertragen. „Das wäre jedoch schwierig“, glaubt er. „Wir würden nicht genügend ehrenamtliche Unterstützer finden.“

Nun hofft Jeß, dass die Verwaltung Vorschläge zum Erhalt des Waldbades macht. „Für die Finanzen ist Herr Benecke mit seinem Team zuständig“, betont er. Voraussichtlich für Ende Oktober plant die Samtgemeinde einen öffentlichen Infoabend in Bad Bodenteich, bei dem Vertreter des Waldbad-Fördervereins, der DLRG und des Schwimmclubs mit Kommunalpolitikern über die Zukunft des Bades diskutieren werden. Dort will Jeß seine Zahlen und die beiden Alternativen vorstellen. „Wir wollen die Vereinsmitglieder motivieren, neue Möglichkeiten für das Waldbad zu finden“, erklärt er.

Bei den Fraktionsspitzen im Samtgemeinderat stößt das auf Anklang. „Das ist eine Initiative, die wirklich nachhaltig sein könnte“, meint Max Lemm (CDU). Andreas Dobslaw (SPD) mahnt eine grundsätzliche Sanierung der Finanzen an. „Das Waldbad ist eine freiwillige Leistung. Die Diskussion darüber wird nur zur Ruhe kommen, wenn der Samtgemeindehaushalt ausgeglichen ist“, sagt er. Der Versuch der Verwaltung, das Bad auf ehrenamtliche Beine zu stellen, sei „kläglich gescheitert“, kritisiert Dobslaw. „Ich habe aber die Hoffnung, dass eine private Initiative wesentlich erfolgreicher sein kann.“ Unterdessen stellt Verwaltungschef Benecke klar: „Eine Schließung des Waldbades ist überhaupt kein Thema.“

Von Bernd Schossadowski


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