Vertrauen ist der Schlüssel zum Erfolg: In Bad Bodenteich halten Hobbyreiter Rinder im Zaum

Wilder Westen auf der Weide

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Den beiden macht so schnell keiner was vor: Hartmut Keuchel mit Ranch Horse Spirit of Doolin im Einsatz.

Bad Bodenteich. Spirit of Doolin macht niemand etwas vor – auch nicht das gewiefte braune Rind, das es am Sonnabend mit ihm in Bad Bodenteich aufgenommen hat.

Wütend schnaubend schwingt die Kuh ihren massigen Körper von links nach rechts, um an dem Wallach vorbei zurück in den Schutz der Herde zu gelangen – doch vergebens: Der stolze Spirit hat den „Cow Sense“, den Hütetrieb, den ein Pferd braucht, um ein echtes Ranch Horse zu sein.

Trainer Oliver Kraft aus Gülzow.

Dabei hatte der Tag so ruhig begonnen für die elf Rinder auf der satten Wiese am Brömmelweg – bis gleich sechs potenzielle Ranch Horses und ihre Reiter dem friedlichen Grasen ein jähes Ende setzten: Männer und Frauen im Sattel, mit Jeans, Lederchaps und breitkrempigen Hüten. Nur der Kopf der Runde, Oliver Kraft – Ranchbesitzer und Pferdekenner – trägt eine Cap mit der Aufschrift „Cowboy“. Er ist gewillt, die Hobbyreiter an diesem Wochenende in die Rinderarbeit einzuführen.

Kraft steht inmitten des Getümmels und beobachtet das Treiben: „Ihr steht zu eng. Ihr macht den Rindern zu viel Druck“, ruft er den Kuhhirten zu Pferd entgegen, die im Schritt die Meute im Zaum zu halten versuchen. Denn, das ist die Idee der Herdenarbeit: Das Vieh soll möglichst ruhig im Verband von A nach B gelotst werden.

Kurze Verschnaufpause: Karsten Laufer und Vivian Karnitz beobachten das Treiben auf der Wiese.

Was hier nach Freizeitspaß aussieht, hat ursprünglich einen ernsten Hintergrund: Der Einsatz von Pferden bei der Viehhaltung sei nicht nur sicherer für die Helfer, sondern verhindere auch Flurschäden durch Maschinen, erklärt der Profi, und obendrein werde die psychische Belastung der Tiere minimiert. In Bad Bodenteich müssen sie an an diesem Wochenende im Slalom durch drei aufgestellte Eimer laufen, am Wasserwagen vorbei, von einer Ecke in die nächste. Ausreißer sind zu vermeiden, Bocksprünge sowieso.

Die 13-jährige Larissa Warnecke kann sich keine unachtsame Minute erlauben mit „Sturkopf“ Tibo unterm Sattel. „Ich sterbe schon so mache Tode“, gesteht Mutter Berit Warnecke, die vom Zaun aus das Team nicht aus den Augen lässt. Gleich steht das „Cutting“ auf dem Plan: die Praxis, bei der ein Rind aus der Herde getrieben und einzeln gehalten werden soll. Tibo legt die Ohren an, steuert dann aber doch willig auf die Herde zu. Doch die ist so gar nicht bereit, einen Schützling zu entbehren.

Wenn Pferd und Rind sich begegnen...

Vertrauen ist hier der Schlüssel zum Erfolg, weiß Vivian Karnitz, die an diesem Tag ein „traumhaftes“ Debüt mit ihrem Wallach Diabolo auf der Rinderweide feiert. „Ich muss mich auf mein Pferd verlassen können und wissen, dass es auch wirklich an die Herde geht“, erklärt sie. Fragt man Kraft, ist das keine Selbstverständlichkeit: Er vergleicht die Beziehung von Rind und Pferd mit der von Hund und Katze: Das Pferd flüchtet, das Rind stellt sich der Gefahr. Und: „Von der Mimik her verstehen die sich auch nicht hundertprozentig“.

Anders ist das bei Pferdesenior Spirit of Doolin und Besitzer Hartmut Keuchel. Der 74-Jährige muss seinen Gefährten beinahe nur noch auf die Rinderwiese lotsen: „Der legt die Ohren an und dann geht er richtig zu Sache.“

Von Anna Petersen

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