Firma stellt Digitalfunkmast auf / Bürger fühlen sich schlecht informiert

Weißer Fleck Soltendieck

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In schwindelnder Höhe montieren Arbeiter die viele Tonnen schweren Betonröhren des Digitalfunkmasts. Fotos: Sternitzke

Soltendieck. Der Stein des Anstoßes ist nicht zu übersehen. Hinter einem dürftigen Kiefernwäldchen am Könauer Weg, etwa 150 Meter von der Soltendiecker Siedlung Rübestücke, leuchtet gestern der Ausleger eines gelben Autokrans.

Scheinbar mühelos hievt er die bis zu 33 Tonnen schweren Betonröhren des umstrittenen Digitalfunkmasts auf das Fundament. Arbeiter einer Spezialfirma aus der Gegend von Papenburg verschrauben die Abschnitte in schwindelnder Höhe. „Sobald du runterfällst, hakt der Sicherheitsgurt ein“, beruhigt Bauleiter Hermann Brake.

„200 Meter weiter hätte keiner was gesagt“, meint Anwohner Burkhard Lutter.

Burkhard Lutter steht vor seinem Haus am Ende der Straße und verfolgt das Schauspiel. „Schöner Ausblick!“, witzelt er. Anwohner der Soltendiecker Siedlung Rübestücke haben einen Baustopp für den mit Antenne 45 Meter hohen Turm gefordert. 70 Unterschriften hat die Bürgerinitiative Soltendieck gesammelt. Sie befürchtet die zusätzliche Strahlenbelastung. „So dicht am Wohngebiet – 200 Meter weiter hätte keiner was gesagt“, ärgert sich Lutter. Die Bürger zu informieren oder gar zu fragen, hat jedoch niemand für nötig gehalten. „Es kann doch nicht sein, dass der Landwirt das zwei Jahre vorher verpachten konnte, und die von der Gemeinde wissen nichts davon“, meint Andreas Wolf.

Der Sendemast ist Teil eines Ausbauprogramms des Landes Niedersachsen, das letzte weiße Flecken im Digitalfunknetz schließen soll. 448 Sender werden bereits von Polizei, Feuerwehren, Rettungsdiensten, Technischem Hilfswerk, Flugwacht und Deutscher Lebensrettungs-Gesellschaft genutzt. 50 weitere Türme sollen bis zum Jahresende hinzukommen, im Landkreis Uelzen ist Soltendieck der einzige zusätzliche Standort.

„Es wurde festgestellt, dass in Teilen Soltendiecks keine ausreichende Netzabdeckung vorhanden ist“, berichtet Günther Klages, Sprecher der Zentralen Polizeidirektion Hannover. „Die Folge wäre im Ernstfall, dass Feuerwehr und Rettungsdienste keinen koordinierten Einsatz in Soltendieck durchführen könnten.“ Der Sender im sogenannten Tetranetz mit einer Frequenz von 380 bis 405 Megahertz sei gesundheitlich unbedenklich. Die gesetzlichen Grenzwerte würden eingehalten, so Klages. Antennen kommerzieller Mobilfunkanbieter seien nicht vorgesehen.

Die Gemeinde Soltendieck hat ihr Einvernehmen bereits im vorigen Jahr gegeben. Das sei eine Verwaltungsentscheidung zu rein planungsrechtlichen Fragen gewesen, betont Samtgemeindebürgermeister Harald Benecke. Die Ratsmitglieder erfuhren allenfalls nebenbei von dem Vorhaben, als der Verwaltungsausschuss über Ausgleichsmaßnahmen zu entscheiden hatte. Aus den Protokollen habe jeder Politiker davon Kenntnis erhalten können, so Benecke.

Die Bürgerinitiative hatte der Verwaltung „Geheimhaltung“ vorgeworfen und eine Bürgerinformation gefordert. Ob es die gibt, hat der Verwaltungsausschuss der Gemeinde am Montag nicht abschließend geklärt. Beschlossen wurde aber eine Information im Gemeinderat.

Die Aufregung im Dorf erstaunt Benecke: „Man weiß doch, dass jedes Handy eine größere Strahlenbelastung abgibt als so ein Funkmast.“

Von Gerhard Sternitzke

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