Unsicherheit für Schlecker-XL in Bad Bodenteich / Verhandlungen mit Investor

„Weinen hilft nicht weiter“

Was mit Schlecker XL in Bad Bodenteich geschieht, entscheidet sich vermutlich erst heute. Foto: Ph. Schulze

Ulm/Bad Bodenteich. Im Bad Bodenteicher Schlecker-XL-Markt herrschte gestern nachmittag noch gute Stimmung: Zwei Mitarbeiterinnen räumten Waren in die Regale und zeigten sich relativ unbeeindruckt von den Verhandlungen über die Zerschlagung des Familienbetriebs im fernen Ulm.

Dort trafen sich die Gläubiger der insolventen Drogeriekette und beratschlagten über die Zukunft des Unternehmens.

Die Kette hat ihren Hauptsitz im schwäbischen Ehingen nahe Ulm und gliedert sich grob in das Hauptunternehmen „Schlecker“, die Tochterfirma „IhrPlatz“ und die Tochter „Schlecker XL“, die geräumigere Märkte mit einem stärkeren Angebot als Schlecker selbst hat. Schlecker wird – das ist beschlossen – zerschlagen. Für Schlecker XL stand gestern zur Debatte, ob die 342 Filialen vom Münchener Investor Dubag übernommen werden.

„Gut geht es uns“, sagt eine der beiden Frauen im Bodenteicher XL-Markt, „warum auch nicht?“. Klar mache sie sich Sorgen, meint sie, aber „es gehen so viele Unternehmen pleite, nicht nur Schlecker“. Viele Jahre arbeitete sie für Schlecker und jetzt für Schlecker XL. „Ich bekomme gutes Geld“, sagt sie. Dass das XL-Unternehmen nun auch auf der Kippe – oder vor der Übernehme – steht, weiß sie aber. Bewerbungen hat sie geschrieben. Von Groll gegenüber Schlecker XL ist bei ihr keine Spur, sie klagt hingegen an, dass die Presse nicht unschuldig sei an der Pleite der Drogeriekette.

„Wir verlieren den Humor nicht, das ist die Hauptsache“, sagt ihre Kollegin. Die ist sehr pragmatisch: „Was nützt es, wenn wir hier stehen und weinen? Das hilft nicht weiter.“ Um ihre Zukunft macht sie sich keine Sorgen – sie werde schon woanders Arbeit finden, wenn es hart auf hart kommt.

Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode hatte gestern nachmittag schon angekündigt, dass die Landesregierung „alles tun wird, um Beschäftigte in neue Jobs zu bringen“. Das sagte er zu dem endgültigen Beschluss der Zerschlagung der Mutterkette Schlecker durch die Gläubiger.

Bis gestern abend war die Entscheidung, ob Dubag die Schlecker-XL-Filialen übernehmen würde, nicht gefallen.

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Von Kai Hasse

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