Wer waren die Bodendiecks?

Rolf Simon schlüpfte am Freitag in die Rolle des Historicus Bodendicus und gab seinen Zuhörern interessante Einblicke in die regionale Geschichte. Foto: Bleuel

Bad Bodenteich. Eine neue Vortragsreihe im Rittersaal der Burg Bodenteich hatte am Freitag Premiere. Rolf Simon aus Lüder schlüpfte in die Gestalt des „Historicus Bodendicus“ und unternahm mit seinen Zuhörern einen Ausflug in die über 500-jährige Geschichte des Rittergeschlechts der von Bodendieck mit ihrem Stammsitz im heutigen Bad Bodenteich. Dabei ging es in diesem wie dann in weiteren Vorträgen um Begebenheiten, Vorgänge, Personen und Epochen derer von Bodendieck.

Schwerpunkt zum Auftakt waren die Verzweigungen des Rittergeschlechts im Baltikum. Wer aber waren die Bodendiecks? Sie gehörten ursprünglich zu einem Geschlecht, das seinen Stammsitz im nördlichen Harzvorland hatte, dann Besitz im Raum Bodenteich erwarb, sich hier niederließ und sich nach ihrem neuen Hauptsitz nannte.

Einiges deutet darauf hin, dass die Burg an heutiger Stelle zu Beginn des 13. Jahrhunderts von den Bodendiecks erbaut worden ist. Seit 1226 erscheint die Familie im Umkreis der Welfen, der Nachkommen Heinrich des Löwen, die sich seit 1235 Herzöge von Braunschweig und Lüneburg nannten. Und im Vergleich mit anderen Familien des lüneburgischen Landadels verfügten die von Bodenteich über einen durchaus bemerkenswerten Grundbesitz. Deutsche Fürsten und Bischöfe stellten für die Eroberung des Baltikums erhebliche Mittel zur Verfügung. Missionare verfehlten ihr Ziel, den Balten den christlichen Glauben aufzuerlegen. Also rief Papst Innozenz III. zum Kreuzzug ins Baltikum auf. Das motivierte viele, sich durch den Zug nach Osten nicht nur irdische Güter, sondern auch Lohn im Himmel zu erwerben. Unter ihnen auch ein Ritter aus dem Geschlecht der von Bodendieck, nämlich Frithericus de Bodendike. Die Bodenteicher fassten Fuß in Livland.

Den ersten Nachweis über einen Bodendiecker im Baltikum findet man in einer Urkunde von 1507, mit der Wilhelm von Bodendieck ein Gut erhält, das er Budendieckshof nennen wird. Die förmliche Anerkennung der Adelszugehörigkeit allerdings erfolgte erst 1642 an Christoph von Bodendieck, einem Nachkommen des Wilhelm.

Rolf Simon ging in seinem Vortrag auf die weiteren Verbindungen ein, auf Hochzeiten, Taufen und Aufzeichnungen aus Kirchenbüchern. Im Kirchenbuch von Goldingen findet man schließlich unter dem 12. November 1820 den Eintrag, dass sich Carl von Bodendieck erschossen hat.

Nach heutigem Wissenstand war er der letzte im Mannesstamm gewesen und beendete die baltische Linie des Bodenteicher Rittergeschlechts auf so unrühmliche Weise. Die Güter sind dann wohl der russischen Krone zugefallen.

Den nächsten Vortrag des Historicus Bodendicus wird es am 1. Mai im Rahmen des Burgspektakels geben. Dann wird sich Rolf Simon mit dem Raubrittertum der Bodenteicher befassen.

Von Ulrich Bleuel

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