Drei Tage Burgspektakel in Bad Bodenteich: Darsteller finden in der Vergangenheit Ausgleich zum Alltag

Das wahre Leben ist das Mittelalter: das Burgspektakel

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Da stockt manchem Zuschauer der Atem: Einer der Kontrahenten fällt im Kampf zu Boden, die martialische Streitaxt sieht gar gefährlich aus.

Bad Bodenteich. „Habt ihr Lust auf einen Becher Bier an der Taverne? Dann ladet mich ein, und wir gehen gemeinsam!“

Nun denn, das lässt man sich nicht zweimal sagen und stößt an mit edlem Trunk unter Spießgesellen, Musikanten und Herrschaften mit Gefolge auf ein wohliges Spektakulum auf der Burg zu Bodenteich.

Unüberhörbar ist der Dudelsack, der zusammen mit der Pauke den Marktumzug über das Gelände der Bodenteicher Burg anführt.

Drei Tage lang erlebt der Flecken sein weit über die Kreisgrenzen hinaus bekanntes Burgspektakel. Der Tross der Fogelvreien hat sich niedergelassen, um mit einer Reise in das Mittelalter Geschichte erlebbar zu machen. Handwerker und Krämer, Höker, Gaukler und Spielleute schließen sich den Fogelvreien an, um die Vergangenheit sehen, schmecken, riechen, hören zu lassen, zu fachsimpeln oder eben einen Schwatz in der Taverne zu halten. Möglichst auf Lutherdeutsch, versteht sich.

Im Jahr 1192 nach der Fleischwerdung des Herrn befindet sich die Ritterschaft der roten Greife. Wie viele andere Darsteller versetzen die edlen Herren die Besucher rund um die Burg Bodenteich zurück ins Mittelalter.

Volker Thieme aus Werdau ist von Beruf Diplom-Kaufmann. „Das wahre Leben aber ist hier auf dem Mittelaltermarkt“, sagt er und bastelt in historischem Gewand an einer Holzlaterne. Handgemacht istsie ein Unikat und herrlich anzusehen. „Mit der Walpurgisnacht begann meine Saison, die bis Martini reicht“. Der Laternenmacher reist in den nächsten Monaten quer durch Europa und bietet seine Waren auf Märkten vor allem in Deutschland und Luxemburg an. „Betreibet das Laternlein nur in lotrechter Position und mit längerer Zeit nie ohne Aufsicht. Befolget brav diese Regularien, und ihr habt viele schöne Stündlein bei freundlichem Kerzenschein im heimischen Gefilde zu erwarten.“

Die tschechische Gruppe Hartigo scheut nicht den Schwertkampf Mann gegen Mann. Nur Köpfe rollen nicht.

Rund um ein Feuer sitzen wackere Nordmänner. Sechs Freunde aus dem nordischen Friesenland genießen das Lagerleben. Sie sind unter der Woche Pädagogen und Handwerker, übernachten jetzt in ihrem historischen Zelt auf Fellen. „Wir haben Spaß daran, so zu leben, wie die Menschen damals. Wir nehmen die Sache ernst, aber auch nicht zu ernst“, schildern sie ihr Wochenende mit einem Augenzwinkern.

Den Ausgleich zum Kriegshandwerk suchen die Ritter beim Kartenspiel. Wenn der Trumpf auf den Tisch gehauen wird, scheppert schon mal das Blech der Rüstung.

Alle Darsteller haben sich eine Legende zugelegt. Buchbinder Dietmarius lebt in der Welt des 13. und 14. Jahrhunderts und arbeitet mit Hadernpapier. Alexandra, Andrea und Uwe verkörpern keltische Wikinger aus Irland um 1200, das Volk der Alasdair. Und im Jahr 1192 nach der Fleischwerdung des Herrn befindet sich die Ritterschaft der roten Greife.

Mit lautem Gebrüll und klingenden Schwertern gehen die Streitlustigen der tschechischen Gruppe Hartigo aufeinander los und unterhalten die Zuschauer mit gekonnten Einlagen. So manche Streitigkeit wird mit dem Schwert ausgetragen, im echten Mittelalter rollten mitunter auch Köpfe.

Von Ulrich Bleuel

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