In der Samtgemeinde Aue engagieren sich immer weniger Menschen als Wahlhelfer

Wahlhelfer: „Warum eigentlich ich?“

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Ehrenamtliche Wahlhelfer geben bei den Wahlen nicht nur Stimmzettel aus, sondern zählen später auch die Stimmen. Ohne sie könne die Demokratie nicht funktionieren, sagt Aues Samtgemeindebürgermeister Harald Benecke. Doch immer weniger sind bereit, das Ehrenamt zu übernehmen.

Wrestedt/Bad Bodenteich. Die Kommunalwahl rückt näher, und die Vorbereitungen für die Wahlen laufen auf Hochtouren, so auch in der Samtgemeinde Aue.

Die Wahllisten sind zwar aufgestellt, aber ein wichtiges Detail bereitet Samtgemeindebürgermeister Harald Benecke und Ordnungsamtleiter Hendrik Kunitz Kopfzerbrechen. Das Problem: Es wird immer schwieriger, Wahlhelfer zu finden. Von 117 angeschriebenen Bürgern der Samtgemeinde haben laut Kunitz 30 Prozent abgesagt.

„Das Problem ist, dass es viele Menschen gibt, die sagen: ‘Warum eigentlich ich?’“, sagt Benecke. Es sei auch schon vorgekommen, dass am Wahltag selbst noch Wahlhelfer rekrutiert werden mussten. „Ohne ehrenamtliche Wahlhelfer kann unsere Demokratie aber nicht funktionieren“, so Benecke. Denn in einem Wahlbezirk muss es mindestens sechs von ihnen geben, in den großen wie etwa Bad Bodenteich I oder Wrestedt sogar acht. Vor allem bei Europawahlen und Kommunalwahlen habe man Schwierigkeiten, Wahlhelfer zu finden, und auch das Interesse an der Wahl an sich sei grenzwertig gering. Daher habe man auch schon Wahlbezirke zusammengelegt.

„Vielen ist der Luxus der Demokratie gar nicht bewusst – und dass sie auch Pflichten beinhaltet“, sagt Kunitz. Einige würden mit zum Teil zweifelhaften Begründungen versuchen, aus der ehrenamtlichen Verpflichtung herauszukommen. Denn ohne weiteres kann man nicht von diesem Ehrenamt befreit werden, in Niedersachsen droht sogar ein Ordnungsgeld bis zu 500 Euro, wenn jemand ohne triftigen Grund nicht als Wahlhelfer arbeitet. „Es kommt schon vor, dass die Quittung über einen gebuchten Urlaub jüngeren Datums ist als die Wahlhelferaufforderung“, so Kunitz. Da ärgere er sich, weil er das Gefühl habe, gelinkt zu werden. Dann müsse abgewogen werden, ob es sich lohnt, nochmal mit der Person zu reden und nachzuhaken. „Es bringt aber nichts, jemanden zwangszuverpflichten, der würde nur die Stimmung im Team am Wahltag versauen“, so Kunitz. Und wenn er als Begründung höre, man könne kein Wahlhelfer werden, weil man die Politik in Deutschland ablehne und es daher nicht mit seinen Gewissen vereinbaren könne, sei von Anfang an klar, dass so jemand niemand ist, der als Wahlhelfer berufen werden sollte.

Es gibt aber auch positive Beispiele. In Stadensen und Wieren gibt es einen festen Stamm von Personen, die sich immer wieder freiwillig als Wahlhelfer melden. „Da genügt ein Anruf, und ich habe die Mannschaft zusammen“, sagt Kunitz. In Wieren ist etwa der frühere Ortsbrandmeister Ulrich Fiedler schon seit rund 40 Jahren als Wahlhelfer dabei. „Einer muss es ja machen“, sagt er. Mit Anfang 30 habe man ihn eingefangen und bisher auch nicht mehr aus dem Amt rausgelassen. Vor allem mache die Arbeit aber Spaß. Es sei ja nicht so, dass immer viel zu tun sei und es keine Zeit zum Klönen gebe. Auf dem Dorf sei es halt noch anders, die meisten, die zur Wahl kommen, kenne man persönlich, und es bleibe immer Zeit für einen Schnack, auch wenn am Abend das Auszählen der Stimmen ansteht. Was dieses Jahr wieder komplizierter werde. Aber er habe es sich ja so ausgesucht, und ein guter Bekannter habe zu ihm im Scherz gesagt: „Aus der Nummer kommst du nur mit dem Tod wieder raus.“

Von Lars Lohmann

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