Nach Bokel nun auch Vorrangfläche bei Lüben möglich: Pläne auf Gifhorner Gebiet alarmieren Bürger

Umzingeln Windparks den Südkreis?

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Wird südlich von Nienwohlde ein 228 Hektar großer, kreisübergreifender Windpark ausgewiesen? Das befürchtet die örtliche Interessengemeinschaft. Doch auch in der Nähe von Langenbrügge könnte auf Gifhorner Kreisgebiet eine größere Vorrangfläche für Windräder entwickelt werden.

Nienwohlde/Langenbrügge. „Das ist beängstigend für uns. Wir sehen die Pläne sehr kritisch.“ Harald Zarthe, Mitglied der neu gegründeten Interessengemeinschaft (IG) Nienwohlde, macht aus seinem Unmut über die Windkraft-Pläne in den Kreisen Uelzen und Gifhorn keinen Hehl.

Ebenso wie seine Mitstreiter befürchtet Zarthe, dass Nienwohlde von einem großen Windpark umzingelt wird. Und auch bei Langenbrügge könnte auf Gifhorner Gebiet eine Vorrangfläche für Windräder ausgewiesen werden.

Wie berichtet, sieht der Entwurf des Regionalen Raumordnungsprogramms des Kreises Uelzen südlich von Nienwohlde eine 140 Hektar große Fläche vor, die sich für den Bau von Windrädern eignen würde (AZ berichtete). Dort könnten theoretisch fünf Anlagen errichtet werden. Zudem könnte in direkter Nachbarschaft – nördlich der Ortschaft Bokel (Kreis Gifhorn) – eine 88 Hektar große Potenzialfläche für Windkraft mit sechs Anlagen entwickelt werden. Der Zweckverband Großraum Braunschweig (ZGB) könnte sich vorstellen, dass daraus ein kreisübergreifender Standort von 228 Hektar Größe wird.

Diese Idee bereitet der IG Nienwohlde große Sorgen. „Für unseren Ort ist das sehr bedenklich“, sagt Zarthe im AZ-Gespräch. Er glaubt, dass ein zusammenhängender Windpark sogar aus 24 oder mehr Anlagen bestehen könnte. Es gebe nämlich eine statistische Größe von acht bis zehn Hektar Fläche pro Windrad.

Unter anderem kritisiert die IG Nienwohlde, dass die Lebensqualität der Bürger unter den Rotorgeräuschen und Blinklichtern der Windräder massiv leiden würde. Negative Auswirkungen erwartet die IG auch für Flora und Fauna. Die Zahl der Windpark-Kritiker in der Region werde größer, schildert Zarthe. „Der Unwillen wächst. Uns sprechen immer mehr Bürger an, auch aus den Nachbar-Ortschaften.“ Die IG werde jetzt eine schriftliche Stellungnahme zu dem möglichen Windpark bei Bokel an den ZGB schicken. Beim Landkreis Uelzen hat die Interessengemeinschaft ihre Kritik bereits vor einigen Wochen zum Ausdruck gebracht.

Auch südöstlich von Langenbrügge könnte ein Windpark entstehen. Eine 85-Hektar-Fläche bei Lüben (Kreis Gifhorn) ist ein Kandidat für ein Vorranggebiet. Bis zu sechs Anlagen sollen dort Platz finden können. Zur ersten Auslegung des Plans waren Einwände geäußert worden, weil sich in nur 700 Metern Entfernung das Vorranggebiet des Windparks Langenbrügge befindet. Die Drei-Kilometer-Abstandsregel würde damit nicht eingehalten. Doch aus Sicht der ZGB-Planer unterschreitet das Langenbrügger Areal mit seinen 14 Hektar die Mindestgröße von Windkraft-Vorranggebieten deutlich. Dieser Windpark mit seinen zwei Anlagen ist aus planerischer Sicht so klein, dass die Abstandsregel nicht greifen muss.

Von Bernd Schossadowski

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