Alarmierende Ergebnisse der Messungen in Reinstorf

Mit Tempo 140 in den Ort hinein

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So ist es richtig: Dieses Auto fährt vorschriftsmäßig mit 50 km/h nach Reinstorf hinein. Doch viele Fahrer halten sich nicht an die Tempobegrenzung – einige von ihnen wurden sogar mit mehr als 140 Kilometern pro Stunde gemessen.

Reinstorf. Eigentlich sind gelbe Ortseingangsschilder nicht zu übersehen. Dass von dort an maximal Tempo 50 gilt, lernt jeder Fahrschüler schon in der ersten Stunde.

Trotzdem ist die Höchstgeschwindigkeit am Ortseingang von Reinstorf, auf der L 265 aus Bokel kommend, von den Verkehrsteilnehmern tausendfach missachtet worden. Das geht aus einer Tempomessung im Auftrag der Gemeinde Lüder hervor. „Es war erschreckend, was wir dort festgestellt haben. Die Masse ist zwischen 70 und 90 km/h gefahren“, sagt Gemeindedirektor Alexander Kahlert.

Sechs Wochen lang wurden mit einer Messtafel die Einfahrtsgeschwindigkeiten von fast 14 000 Fahrzeugen in Reinstorf ermittelt. Nur 764 von ihnen fuhren maximal 50 Kilometer pro Stunde (siehe Infokasten). Viele waren indes deutlich zu schnell unterwegs. In der Spitze gab es vereinzelt Geschwindigkeiten von mehr als 140 km/h. „Das ist nicht nachzuvollziehen. So etwas geht überhaupt nicht“, kritisiert Kahlert die Raser.

Auch der Rat der Gemeinde Lüder beschäftigte sich kürzlich mit diesem Thema. Dort berichtete Kahlert, dass sich Vertreter der Polizei, der Gemeinde und des Kreis-Straßenverkehrsamtes im November bei einem Ortstermin in Reinstorf getroffen haben. Dabei wurde angeregt, die Ortstafel einige hundert Meter nach Reinstorf hinein zu verlagern.

Das stieß im Rat auf Unverständnis. „Dadurch würde im Ort ja noch schneller gefahren“, meinte Rolf Linsler (CDU) und forderte, das Schild an seinem jetzigen Standort zu belassen. Auch Bürgermeister Jürgen Schulze (CDU) lehnte eine Verlagerung in den Ort ab. „Das hieße ja, dass bis dahin Tempo 100 gelten würde“, sagte er. Am Ortseingang befindet sich aber der Wandervogelhof, ein Bildungszentrum für Kinder und Jugendliche. Diese seien durch Raser besonders gefährdet, sagte Schulze.

Dagegen erklärt Kreissprecher Marcus Christ, das Reinstorfer Ortsschild befinde sich „sehr weit draußen, sodass es für die Hineinfahrenden an der Stelle aufgrund des fehlenden typischen innerörtlichen Gesamtbildes möglicherweise nicht wahrgenommen wird“. Laut Straßenverkehrsordnung (StVO) seien Ortstafeln dort anzuordnen, wo eine erkennbare geschlossene Bebauung beginne – in Reinstorf sei das nicht der Fall. „Das spricht für ein Versetzen der Ortstafel in Richtung Ortschaft“, so Christ.

Andreas Dobslaw, Verkehrsexperte der hiesigen Polizei, warnt: „In Reinstorf gibt es eine scharfe Linkskurve. Wer da mit über 100 reinfährt, spielt mit seinem Leben.“ Doch auch er verweist darauf, dass der aktuelle Standort der Ortstafel nicht der StVO entspricht. Sollte diese in den Ort versetzt werden, könnte davor eine 70er-Zone eingerichtet werden, schlägt Dobslaw vor. „Solange sich die Gemeinde Lüder aber nicht äußert, bleibt das Ortsschild da stehen.“

Von Bernd Schossadowski

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